Sa, 21.5.2016 • Tag 15: Carlingford  ➟  Dublin

Gestern Abend bin ich in Carlingford angekommen, von dem man nicht so viel sehen konnte. Das kann man heute morgen umso mehr. Also.. besser.

Ich habe mich gestern kurz nach 21:00 Uhr schlafen gelegt. Es ging gar nichts mehr. Die Nacht davor war schon spät geworden. Und ich war relativ früh morgens wieder wach und in Belfast unterwegs. Das alles zusammen mit der Rennerei hat wahrscheinlich seinen Tribut gefordert. Jedenfalls war gestern Abend mit mir nichts mehr anzufangen.

Dafür klingelte dann heute Morgen um fünf der Wecker. Um sechs soll es losgehen Richtung Dublin. Ich werde dazu zum Park & Ride-Parkplatz in der Naas Street fahren und mir eine Hin- und Rückfahrkarte für die Tram kaufen. Mit der Tram werde ich in das Zentrum von Dublin fahren.

Heute Morgen hat es noch geregnet, jetzt ist es trocken. Weiter hinten über dem Fjord von Carlingford zeichnet sich ein Sonnenaufgang ab. Ich hoffe, dass das ein gutes Zeichen ist und es heute trocken bleibt. Jetzt noch schnell die Knusperflocken mit Milch aufessen und dann geht es los.



Ich bin auf dem Luas-Park & Ride-Parkplatz an der Naas Street angekommen am Rande Dublins. Ich hatte erst noch überlegt, ob ich woanders parken sollte als hier. Vielleicht noch ein wenig zentrumsnäher.

Aber das Problem ist dann zum einen wie komme ich dann da wieder hin und zum anderen wie fährt dort ein Bus weg ins Zentrum? Welche Linie? Die Tram hingegen dürfte ja ziemlich regelmäßig fahren. Außerdem habe ich eine Übersicht der Haltestellen. Ich weiß wo ich hin muss, ich weiß wohin ich wieder zurück muss. Und ich weiß, dass ich hier für vier Euro am Tag stehen kann. Inklusive der Fahrkarte. Mehr geht nicht.

Ich habe einen ganz vernünftigen Parkplatz erwischt. Die Parkbuchten sind relativ kurz muss man ehrlich gesagt sagen. Ich stehe hinten ein wenig raus, aber das müsste eigentlich funktionieren. Wenn nicht habe ich eine Beule im Heck.

Pat, der Patrolman, ist hier auch schon mit seinem Auto herum gefahren.

Man tippt am Automaten die Parkbuchtnummer ein. In meinem Fall die 357. dann bezahlt man seine vier Euro und kann 24 Stunden stehen. Je nachdem, ob ich morgen noch einmal nach Dublin reinfahre oder nicht. Falls ja würde ich noch einmal vier Euro in den Automaten stecken. Aber das werde ich dann sehen.

Das ganze hier nennt sich Red Cow, aber ich habe hier noch keine rote Kuh gesehen.

Ich werde jetzt ein paar Sachen in meinen Rucksack tun und dann geht es los ins Zentrum von Dublin.



The Spire in Dublins O´Connell Street Die Guinness-Brauerei in Dublin auf der anderen Seite des River Liffey Die Guinness-Brauerei in Dublin auf der anderen Seite des River Liffey The Post Office in Dublins O´Connell Street The Custom House in Dublin So, in Dublin angekommen und an der Heuston Station ausgestiegen. Dann zu Fuß am Liffey entlanggelaufen.

Auf der anderen Flußseite die Guiness Brauerei. Bis man zur O´Connell Street kommt.

Dort, wo das bekannte Postamt ist und die silberne Nadel "The Spire" bis in den Himmel reicht.

Was zum einen erst mal auffällt, der Dubliner scheint nicht gerne zu sitzen.

Es gibt nicht irgendwo eine Sitzmöglichkeit in der O´Connell Street, um den extrem heißen Kaffee, den man sich bei McDonald's geholt hat, irgendwo in Ruhe schlürfen zu können.

Wobei sich mir da die Frage stellt, warum man Kaffee so heiß in einen Becher füllen muss, dass man ihn erst einmal 10 Minuten stehen lassen muss, um überhaupt irgendwann einmal trinken zu können.

Eine Sache, die in Dublin noch mehr nervt als sonst schon, sind die Busse.

Neben den normalen öffentlichen und sonstigen Bussen fahren hier natürlich auch die bekannten hop-on/hop-off-Busse und die Sightseeing-Busse herum.

Und deren Koberer sind extrem lästig und stehen an jeder Ecke, um dir Touren und Tickets zu verkaufen.

Ich hatte überlegt, ob ich vielleicht eine Tageskarte für den Bus kaufe, um noch ein wenig mehr durch die Gegend zu kommen. Ich habe keine Ahnung, wie ich das sonst zu Fuß alles schaffen soll.



Am AIB-ATM-Geldautomaten am Ende der O´Connell Street ist eine Riesenschlange. Ist auch klar, man bekommt ja bei dieser Bank für sein Geld am meisten aus dem Automaten.



Dann war ich noch in Carrolls Irish Giftshop, eigentlich nur auf der Suche nach einer Postkarte. Weil man daheim bei der Erzeugergemeinschaft eine Postkarte erwartete.

Dabei habe ich dann gleich die Chance genutzt, ein paar Souveniers für die Kollegen mitzunehmen.

Und es ist fürchterlich schwierig, mal ein Video aufnehmen zu können, ohne dass ein Bus darin ist. Grausam.



Moore Street Market in Dublin Famine Memorial in Dublin Beim Famine Memorial in Dublin Eigenartige Stimmung auf der Moore Street, eine Nebenstraße der O´Connell Street. Hier findet ein Markt statt. Der Moore Street Market.

20 Stände nebeneinander, alle verkaufen Obst und Gemüse. Direkt dazwischen schon Menschen, die aus den Containern containern.

Und Leute, die irgendwas durch die Gegend brüllen. Keine Ahnung was, irgendwie eine sehr skurrile Atmosphäre. Schnell durch und weg.



Ich hatte in der O´Connell Street bei Supermac's ein Pulled Pork Sub gegessen. Ich habe zu Hause schon mehrfach Pulled Pork gekauft und in den Ofen geschoben. Und ich habe mich jedes Mal gefragt warum ich es immer wieder versuche. Aber das hier schmeckte wirklich gut.

Danach habe ich mich dann wieder auf den Weg Richtung Liffey gemacht. Ich bin dann nach links, also nach Osten, abgebogen. Immer noch auf der Nordseite des Flusses. Und laufe auf die Brücke zu, die wie eine Harfe geschwungen ist.

Ich schleppe mich im Moment so ein wenig von Sitzbank zu Sitzbank. Die ist hier jetzt komischerweise plötzlich wieder überall gibt.

Was zum einen daran liegt, dass ich mir heute Zeit lassen möchte und im Zweifel den Rest morgen mache, und zum anderen meine Füße, die ich schonen möchte und die schon langsam anfangen, zu qualmen.

Ich möchte mich auch morgen noch bewegen können, ohne tot zu sein und Schmerzen zu haben. Weil es dann der Belastung heute zu viel war. Von daher lass ich es langsam angehen. Von Bank zu Bank. Ganz gemütlich. Ich habe Zeit.



Klamottentechnisch sollte man am besten vielseitig sein. Ich habe meine schwarze Fleecejacke an. Das war vorhin ganz gut.

Jetzt, wo die Sonne drauf scheint, ist es relativ warm. Ich hatte zwischendurch aber auch schon Niederschlag.

Also, das geht hier teilweise unglaublich schnell. Dass die Sonne scheint, dann fängt es plötzlich wieder an zu pieseln und auf einmal knallt der Regen runter. Und 3 Minuten später ist alles wieder vorbei und die Sonne kommt wieder heraus. Das ist hier ständig. Auch auf der ganzen Tour schon. Da scheint die Sonne und dann wird das Wetter fürchterlich schlecht und einen Augenblick später ist es wieder super.

Gestern Nachmittag hat es den ganzen Weg von Belfast raus geregnet. Bis nach Carlingford. Und heute Morgen war alles gut und alles trocken. Diese Wetterwechsel gehen relativ schnell.



Dauerdurchweichung in Dublin Strasse am Merrion Square in Dublin Oscar Wilde-Statue im Merrion Square in Dublin Molly Malone-Denkmal in Dublin James Joyce-Denkmal in Dublin So, ich bin mittlerweile zum dritten Mal vom Regen mehr oder weniger durchgeweicht worden. Zwischendurch habe ich in der Sonne gesessen und gedacht "O. k., jetzt trocknest du wieder." Und dann kam der nächste Regenguss.

Es hängen wieder graue Wolken über der Stadt. Ganz dahinten irgendwo ist es wieder hell. Ein sehr abwechslungsreiches Wetter.

Meine Füße bringen mich um. Mein Schrittzählerprogramm sagt ich habe was bei 24.000 Schritte gemacht, was ungefähr so 17Km sind. So fühlen meine Füße sich auch an.

Ich mache mich jetzt tatsächlich, unbewusst, in Richtung Heuston Station auf, der Tram Station.

Ich weiß nicht, wie lange ich noch durchhalte. Das Problem ist, dass man sich hier nirgendwo vernünftig hinsetzen kann. Du wirst ständig nass und in irgendwelchen Cafés oder Fastfood-Restaurants kannst du dich auch nicht den ganzen Tag aufhalten. Es ist ein wenig schwierig gerade. Ich latsche mal ein bisschen weiter.



Und wo ich hier so gerade am Liffey längslaufe kommen mir einige Ecken und Geschäfte bekannt vor. Auch schon vorhin dachte ich, dass ich einige Geschäfte wieder erkenne.

Und ich stelle fest, dass ich am Morgen bereits hier längs gefahren sein muss, auf meinem Weg durch die Stadt zum Park & Ride Parkplatz in der Naan Street. Nur ist es mir da noch nicht aufgefallen, dass ich mich bereits im Zentrum von Dublin befunden und auch den Liffey überquert habe.



Ich gebe auf! Es hat das vierte mal heftig angefangen, zu regnen. Und ich sehe auch nicht, wann das hier wieder aufhört. Ich habe jetzt genug vom durchgeweicht sein.

Ich war in der Parliament Street und hatte die Wahl, 1,3 km zur O'Connell Street zu gehen oder 1,3 km zur Heuston Station zu meiner Tram Station.

Entschieden habe ich mich für O'Connell Street, da ich überlegte: "Ach, nimmste nachher einen Bus zurück". Aber auf dem Weg dahin dachte ich mir, dass das nichts mehr wird.

Es gibt höchstens Cafés, in die man sich setzen könnte. Aber auch die sind rappelvoll und ich habe ehrlich gesagt auch keine Lust darauf, in einem feuchten, warmen Raum zu sitzen, nur um noch ein wenig Abendstimmung zu erleben. Es dämmert eh schon und langsam wird es dunkel.

Jetzt gehe ich zur Heuston Station zurück. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte. Mit Ausnahme von zwei Parks, die ich nicht gesehen habe, aber da kann ich auch gut drauf verzichten. Alles, was ich sehen wollte, habe ich abgelaufen.

Ich habe nur ein wenig Sorge, dass ich morgen richtig Schmerzen habe. Im Moment geht es, aber mir werden morgen ordentlich die Socken qualmen. Davon kann man wohl ausgehen.

Hier läuft im Moment solch ein merkwürdiges Volk rum. Und an einigen Stellen riecht es auch ein bisschen komisch. Ich mache mich jetzt auf den Weg nach Hause ins trockene, warme Auto.



Um kurz nach 8 war ich wieder am Auto. Ich habe mich erst einmal der nassen Klamotten entledigt und mir etwas warmes, kuscheliges angezogen.

Ich kann nicht behaupten, dass es im Auto gerade warm ist. Es regnet immer noch, zumindest hier in Red Cow. Ich gehe mal davon aus, dass es auch in der Innenstadt noch pieseln wird.

Apropos Red Cow. Die eine Tram-Station heißt Red Cow, eine weitere heißt Black Horse, eine Golden Bridge und dann gibt es noch die Station Fatima. Der Dubliner ist da schon sehr kreativ, was das angeht.

Komischerweise hält die Tram in Gebieten, wo du denkst: "Hier wohnt einer?" Und wenn hier einer wohnt, wie weit muss er hier zur Tram Station laufen?

Es ist hier irgendwie so, als wäre man auf dem Dorf. Ein Haus ist da ganz hinten und einige wenige an der Bahnstrecke. Aber es ist nicht so, als würde man große Wohnviertel durchqueren.

Heuston Street ist o. k. Aber es ist schon ganz schön weit vom Schuss weg. Jervis wäre etwas dichter an der O'Connell Street beziehungsweise die Haltestelle Abbey Street ist eigentlich in direkter Nähe der O'Connell Street. Und damit so ziemlich im Zentrum.

Auf dem Plan sieht man dann auch City Centre. Von daher könnte man das Zentrum also in der Nähe der O'Connell Street suchen. Ich war ja auf der Suche nach dem Herzen der Stadt.

Ab der Heuston verläuft die Tram Linie des Liffey Rivers. Der irische Name der Heuston Station ist Stáisiún Heuston. Auch dies klingt sehr, sehr irisch.

Da ich aber auch vorhatte, den Liffey eine ganze Weile entlang zu gehen, bot sich Heuston Station als Haltestelle zum aussteigen an.

Ja, ein bisschen schade. Ich hätte mir durchaus vorstellen können, mich noch für einige Zeit im Lichte der untergehenden Sonne am Liffey aufhalten zu können.

Aber wettertechnisch machte es überhaupt keinen Spaß mehr. Meine Jacke ist klatschnass, mein T-Shirt ist klatschnass, mein Rucksack ist ziemlich durchgeweicht. Meine Jeans ist nass. Ich hoffe, das wird alles bis morgen noch trocken. Und auch nicht zu feucht hier im Auto. Von daher war es die beste Entscheidung zum Auto zurück zu kehren.

Wenn man mal auf die Karte schaut dann sieht ein Park wie St. Stephens Green doch ziemlich groß aus. Ehrlich gesagt gehst du aber einmal im Kreis und bist in 5-10 Minuten damit durch. So ungefähr. Also den fand ich jetzt nicht so sehr groß. Auch den Merrion Square, mit dem Oscar Wilde-Memorial. Den hast du relativ schnell durchschritten.

Ich hätte noch den Fitzgerald Square anschauen wollen. Allerdings nur wegen der gregorianischen Häuser. Aber von denen stehen noch genügend um die anderen Squares herum.

Alles in allem ein erfolgreicher Tag. Ich bin nicht enttäuscht, aber Dublin war anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte mehr so mit einer kleinen, kuscheligen Stadt gerechnet. Dublin ist soweit nett, aber es war nicht die kleine, kuschelige Stadt.

Es war eine große, laute Stadt mit schönen Ecken, aber unglaublich vielen Bussen. Man kann fast kein Foto machen, ohne dass einem nicht ein Bus durchs Bild fährt. Die heizen durch die Stadt und nehmen auch keinerlei Rücksicht darauf, ob da eine Pfütze ist oder nicht. Mir hat dann mal so ein Bus eine Wasserlache über den Schuh gespritzt.

Und vorhin auf dem Weg zur Connell Street standen dann sechs Busse direkt hintereinander. Davon zwei Reisebusse, die hier auch noch rumkriechen, und ein Hop On/Hop Off-Bus, von denen ja auch Millionen rumfahren, plus dann noch die normalen Omnibusse, die hier den Öffentlichen Nahverkehr aufrecht erhalten. Wahnsinnig viele Busse.

Relativ wenig Radfahrer. Wobei man auch nicht unbedingt behaupten kann, dass Dublin ernsthaft radfahrerfreundlich ist. Auch die Fußwege sind stellenweise alles andere als breit. Was sie eigentlich sein könnten, aber dann stehen da Poller und du musst irgendwie drum rum.

Es wirkt alles nicht so, als hätte man irgendwann einmal die Stadt dem Autoverkehr unterworfen. Eher so als seien hier früher viele Pferdefuhrwerke unterwegs gewesen und man hat die Stadt dann einfach nur ein bisschen an den Autoverkehr angepasst.

Der im übrigen ziemlich grausam ist. Trotzdem, so empfinde ich es, ist Dublin nicht unbedingt eine Stadt, die darauf ausgelegt ist, nicht mit dem Auto unterwegs zu sein.

Was sehr nervt ist, dass man als Fußgänger sehr lange auf seine Grünphase warten muss. Ein gefühltes Zehntel der Zeit in Dublin habe ich an Ampeln verbracht. Wenn man nicht illegalerweise bei rot über die Straße ist.

Laut meiner App, der ich natürlich einhundert Prozent und blind vertrauen kann, bin ich heute 21,4 Kilometer gelaufen. Den Schmerzen in den Füßen nach kommt das hin.

Ich werde morgen mal schauen, wie das Wetter ist. Wenn es so ist wie heute macht das keinen Sinn, in die Stadt zu fahren. Wenn das Wetter allerdings freundlich ist fahre ich ins Zentrum und ziehe mir dort ein Parkticket. Ansonsten mache ich mich langsam Richtung Süden auf. Wobei ich allerdings noch relativ viele Tage vor mir habe.

Jedoch sehe ich keine Schwierigkeiten, dass es mir gelingen würde, diese Tage bis zur Abfahrt der Fähre noch sinnvoll zu nutzen.

Ich bin ganz froh, dass meinem Auto nichts passiert ist hier auf dem Parkplatz. Vereinzelt lagen hier schon einige Häufchen zerbröselter Fensterscheiben auf dem Asphalt rum. Ein Auto stand hier mit eingeschlagener Scheibe. Und auch in der Parkbucht neben mir muss mal eine Autoscheibe eingeschlagen worden sein. Aber, das Auto war nicht in Brand gesetzt worden und niemand scheint versucht zu haben, ins Auto einzudringen. Also, alles gut.


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