Mo, 23.5.2016  Tag 17: Glencullen - Arklow

Der Tag endete auf dem Parkplatz von Johnnie Fox's Pub in Glencullen. Einer recht bekannten Sehenswürdigkeit südlich von Dublin am Rande zum Wicklow Mountains National Park.

Es ist morgens um neun. Es schon einige Autos rum. Ich weiß nicht ob das Angestellte sind.

Aber am gestrigen Abend kamen die Autos und fuhren dann nach ungefähr 1 Stunde wieder weg. Ungefähr so als würde man kurz hierher fahren, schnell etwas essen und dann sich gleich wieder auf den Weg nach Hause machen. Oder sonstwo hin.

Ich war nicht drin. Ich bin kein Pubgänger und habe auch keinen Nerv darauf, alleine dort rein zu gehen. Beziehungsweise war ich gestern so dermaßen tot, daß ich mich um 21:00 Uhr schlafen gelegt habe. Und bis heute um kurz vor neun im Bett geblieben bin.

In der Nacht bin ich wach geworden durch ziemlich heftiges Sodbrennen. Da halfen dann nur zwei Tütchen vom guten dänischen Samarin.



Es ist Montag. Die letzte Woche ist angebrochen. Nur noch ein paar Tage.

Die Nacht war relativ kühl und auch jetzt scheint zwar schon die Sonne hier bei Johnnie auf dem Parkplatz, aber angenehm warm ist etwas anderes.

Heute geht es weiter. Eine Tour über die Dörfer mehr oder weniger. Das Navi versucht, wie auch in den Tagen zuvor, immer wieder, mich über die M50 zu leiten. Allerdings scheue ich die M50 wieder Teufel das Weihwasser.

Und zwar nicht aus dem Grund, daß ich mir die Maut sparen möchte, die man auf der M50 bezahlen muss. Ich weiß gar nicht genau ob auf der ganzen Strecke oder nur auf Teilstücken.

Sondern wegen der bezahle Art der Maut. Es scheint so zu sein, daß man, wahrscheinlich als häufiger Benutzer, das ganze über einen Transponder an der Windschutzscheibe bezahlen kann. Oder man kann die Maut bis um 20:00 Uhr am nächsten Tag begleichen. Ich habe nur keine Idee, wie ich das machen soll.

Ob es dort ein Terminal gibt, ob man das eventuell über sein Telefon und die Telefonrechnung bezahlt. Ich habe im Internet und auf der Betreiberseite keinerlei Informationen darüber gefunden, wie ich diese Maut bezahlen soll. Und von daher möchte ich es gar nicht erst ausprobieren und die M50 in einer Mautzone benutzen.

Ich werde mich heute über Dörfer und durch die Walachei schlagen, was aber nicht schlimm ist. Laut Navi soll ich erst wieder Richtung Norden, dann auf die M50, um dann in Richtung Südwesten zu fahren. Ob das jetzt so sinnvoll ist weiß ich nicht. Ich werde mal sehen, daß ich es schaffe, ohne über die M50 Richtung Süden zu kommen.

Beziehungsweise geht es erst einmal westlich um den Wicklow Mountains Nationalpark herum zu den Piper's Stones, um dann quer durch in Richtung Küste nach Arklow zu fahren.



Irgendwo in den irischen "Highlands" Irgendwo in den irischen "Highlands" Hinter Glencullen fährt man durch eine Gegend, wenn es hier nicht schon eine asphaltierte Straße gäbe, könnte man sich der Illusion hingeben, man sei der erste Mensch, der hier längs fährt.

Und wenn man dann auf die Military Road Richtung Süden abbiegt kommt man durch einen Landstrich, der so unbewohnt wirkt, daß man glauben könnte, man sei in der Steppe Usbekistans. Oder wie das dort heißt.

Wenn nicht doch ab und an Anzeichen von Zivilisation da wären. Ein Auto, das irgendwo steht, oder Häuser.



Der zerbröselte Spiegel nach dem Zusammenstoß Nach einem kurzen Stop ging die Fahrt dann weiter. Und 2 Minuten später kam mir ein Geländewagen entgegen. Er vielleicht ein bisschen weit auf meiner Spur, ich vielleicht ein wenig weit Richtung Mitte.

Es macht "KLONK", beide Aussenspiegel berühren sich. Mein Spiegelglas ist gesplittert und herausgefallen, so daß es nur noch an den Heizdrähten hin. Allerdings konnte ich es erst einmal wieder einsetzen.

Bei dem Geländewagen hatte es den Spiegel auch zerlegt und sogar auch noch das umgebende Gehäuse, in dem auch der Blinker untergebracht ist, beschädigt. Der andere Fahrer und ich wurden uns einig, daß es unentschieden steht und jeder seinen eigenen Schaden trägt.

Ich habe mal für ein vor meiner Haustür zerstörtes Spiegelglas bei Ford 40 € ausgegeben. Da freue ich mich schon drauf.

Aber vielleicht bekomme ich es auch irgendwo günstiger. Ich hoffe nur, daß es bis zum Ende der Tour hält. Und nicht so nach und nach langsam alles heraus bröselt. daß ich zumindest noch ein wenig Rückspiegel habe. Hin und wieder ist es ja doch recht hilfreich, einen Rückspiegel zu haben.

Anscheinend muss auf jeder Tour immer etwas kaputt gehen. 2013 war es in Frankreich der Steinschlag auf der Windschutzscheibe und jetzt war es ein Spiegelglas in Irland. Naja.



Ich bin gerade ein wenig angenervt. In meinen Eingeweiden finden anscheinend die Dreharbeiten zu "Krieg der Welten Teil III" statt. Jedenfalls scheint sich irgendetwas da unten zu bekämpfen. Ich bin genervt, müde, lustlos.

Gegen 10:00 Uhr ist das mit dem Spiegel passiert, gegen 11:00 Uhr kam mir jemand entgegen, der auch schon fast auf meiner Seite fuhr und im letzten Augenblick in der Kurve auf seine Seite rüber zog. Und das ganze wiederholt sich 1 Stunde später noch einmal. Ich bin jetzt mal gespannt, was um 13:00 Uhr passiert.

Ich habe im Moment genug von der Gurkerei. Mir gehen auch die Straßen gerade so furchtbar auf den Geist. Du wirst nur noch durchgeschüttelt. Es gibt keine Straße, die mal für kurze Zeit geradeaus geht und relativ eben ist. Ich bin ja auch wieder im Süden

Im Moment fahre ich irgendwie nur durch die Gegend. Ich war in Glendalough. Nachdem man da eine schöne Strecke hingefahren ist, um dann unten im Tal zu sein in einem Visitor Centre, mit einem total vollgeschissenen Parkplatz. Ohne zu wissen, was man dort jetzt wirklich anstellen kann.

Ich dachte, es handele sich um ein kleines Örtchen, daß man sich anschauen kann. Keine Ahnung.

Ich habe auch vorher die Piper's Stones nicht gefunden. Es gab nirgendwo ein Schild. Und an der Stelle, an der ich sie gestern noch mit Hilfe von Google Maps eigentlich verortet und als Favorit in mein Navi eingespeichert hatte, habe ich nichts gefunden. Es mag ja möglich sein, daß man sie von der Straße aus nicht sieht, aber es gab nirgendwo einen Hinweis, wo man hinfahren musste.

Die Straßen nerven, die Menschen nerven. Du hast immer irgendwelche Jogger und Radfahrer, LKW und nervige Reisebusse, die dir entgegenkommen und bei denen man ständig rangieren und irgendwo in die Blumenrabatte fahren muss. Aber ist ja gar kein Thema, macht man doch liebend gerne. Macht euch da ruhig keinen Kopp drum.

Und im Moment ist es irgendwie nur fahren und man findet ja doch nichts. Weiterfahren, wieder nichts finden.

Jetzt fahre ich in Brittas Bay an einen Strand. Ich hatte immer die Hoffnung, daß hier das Wetter besser sei. Ich werde mich dort in jeden Fall mal für einen Augenblick niederlassen. Sofern man mich dort parken lässt.

Es ist auf diesen kleinen Straßen sehr anstrengend zu fahren. Man muss höllisch aufpassen, denn nur weil eine Kurve kommt bedeutet es nicht, daß der Ire langsamer fährt, sondern er weiterhin über die Straße knallt.

Und ich habe das Gefühl, daß die Leute, die einen grüßen, es tatsächlich schätzen, daß man nicht mit 80 Sachen durch die Gegend brettert. Sondern mit 45. Das ist zumindest die Erkenntnis, die ich meine, gewonnen zu haben.



Am Strand von Brittas Bay Kurzer Halt in Brittas Bay. Leider ist das Wetter nicht so, daß man lange am Strand bleiben wollte.

Wenn man hier parken möchte kann man das gerne tun. Für vier Euro am Tag. Es sei denn man hat Glück und findet einen Seitenstreifen, auf dem man stehen kann.

Auch wenn man nicht weiß, wem der gehört und ob man hier stehen darf. Jetzt geht es weiter nach Arklow zum dortigen Tesco. Und da werde ich erst mal einkaufen. Yo!



Ich rieche Fisch, ich sehe Wasser, ich sehe Schwalben, ich sehe Segelboote, ich sehe zwei Hunde, die hier herum streunen, mich zum Glück in Ruhe lassen. Ich sehe eine alte Brücke mit mehreren geschwungenen Bögen. Ich sehe Sonne, die untergeht und ihr restliches Licht auf ein paar ganz nette, grüne Hügel wirft. Wo bin ich? Ich bin in Arklow. Wieso bin ich in Arklow. Weil ich an Wicklow vorbeigefahren bin.

Und weil es in Arklow einen Tesco gibt, in dem ich meinen finalen Einkauf machen wollte.

Mein erster Einkauf war für 202 €. Ich habe noch nie zuvor für 202 € eingekauft. Nicht einmal zu Hause.

Danach bin ich noch einmal in den Laden gegangen und habe für 104 € eingekauft. Was habe ich denn gekauft, das so teuer ist?

Nun, fünf Flaschen Whiskey. Könnte man den der nicht in Deutschland bekommen? Doch vielleicht, aber zum einen brauche ich zwei Flaschen davon für eine Hochzeit zum zweiten sind die anderen drei zu meiner eigenen Verkasemuckelung. Und so eine Flasche Whiskey liegt einfach mal zwischen 23 und 38 €.

Das summiert sich dann ein wenig. Und auch Süßwaren, wie zum Beispiel Schokolade, ist heftig teuer hier. Und so eine Tüte Chips mit 150 g, bestehend aus sechs Beuteln á 25 g, kostet einfach mal 2,29 €.

Dann habe ich noch diverse Dosenbiere mitgenommen, die ich zu Hause verköstigen werde. Da ist man dann bei einem Vierer-Pack Dosen locker bei zehn Euro. Und so kam dann eben ein derartiger Betrag zusammen.

Aber das ist mir egal, denn das sind meine Mitbringsel aus dem Urlaub. Außerdem sind noch einige Dinge dabei, die ich auch für spätere Touren noch verwenden kann. Wie zum Beispiel ein Pfannenwender. Gut, der hat 0,60 € gekostet. Oder auch feuchte Reinigungstücher. Lebensmittel für die Übernachtung an Bord der Fähre.

Der Rucksack ist bis auf die Decken und ein Kissen auch schon gepackt. Auch ein bisschen was zum essen und was süßes ist schon im Rucksack.

Und auch für die letzten Tage habe ich schon etwas eingekauft, daß ich mir dann noch zum Mittag oder Abendbrot machen kann.

Ich habe ein halbes Hähnchen gekauft, an dem ich jetzt bereits seit einigen Stunden rumnage und immer mal wieder Stücke mit der Gabel herauspuhle. Und ich habe noch einen Kartoffelsalat, den ich eigentlich essen müsste.

Irgendwann fängt man dann eben auch an, ein bisschen wahnsinnig zu werden, was sowas angeht und vielleicht ein wenig mehr kauft, als man denkt. Weil, man hat ja eine Kühlbox und kriegt das natürlich alles weggegessen.

Und dann nimmt man sich ein Hähnchen mit und denkt, daß man sich am Abend noch was warmes macht. Und jetzt kaue ich ganzen Nachmittag an dem Hähnchen rum. Und heute noch großartig irgendetwas auf den Gaskocher werfen und mir was zum Armbrot zu machen, werde ich wahrscheinlich nicht.

Die Stimmung ist ein wenig komisch. Zum Ende einer Tour bin ich immer ein wenig aggressiv. Wahrscheinlich, um sich den Abschied etwas leichter zu machen. Von wegen, daß man froh ist, aus diesem Scheiß Land endlich heraus zu sein. Was natürlich überhaupt nicht stimmt.

Im Supermarkt habe ich immer wieder mal versucht, mit den Angestellten einen Scherz zu machen. Um mit den Einheimischen ein wenig Kontakt zu haben. Man stellt fest, wie eingerostet man dann doch mit seinem Englisch ist. Du weiß zwar, was du sagen willst, aber du bringst es nicht heraus.

Ich habe bei dem einen, ich glaube, es war der Typ in Nordirland beim Lidl an der Kasse, ums Verrecken nicht verstanden, was er von mir wollte. Und beim Supermac's in Dublin habe ich von den vier Fragen, also zwei Fragen pro Besuch an den beiden Tagen, wie mein Sub sein sollte, insgesamt nur eine beantworten können. Bei dem Reste habe ich nur ja, mach mal geantwortet.

Da merkt man schon, daß man zwar beim Radio hören so ziemlich alles versteht, was sie sagen, aber im realen Leben ist das schon recht schwierig.

Ich habe mich im St. Stephen's Green in Dublin auf eine Bank gesetzt. Dann setzte sich jemand mit seinem Rollator auf den Platz neben mir. Der Mann hatte ein unglaubliches zittern. Die ganze Bank hat vibriert und er hatte Schwierigkeiten, die Wasserflasche, die er an seinem Rollator transportierte, zu öffnen und zu trinken. Und er erzählte mir, wo ihr schon überall in Deutschland war und wo er es gut finden würde und fragte, wo ich denn herkommen würde. Ich sage mal 30 % von dem, was er mir erzählt hat, habe ich einigermaßen verstanden.

Nun bin ich der Ansicht, daß ich ganz gut englisch spreche. Aber da wird man dann doch mal an seine Grenzen heran geführt. Aber ich denke mal, wenn man längere Zeit in Irland oder in einem anderen englischsprachigen Land verbringt, wird es einem einfacher fallen mit dem Englisch, als wenn man nur ein paar englische Serien schaut oder Podcasts hört. Das ist leichter, als Menschen zu hören, die in Ihrem Heimatsdialekt sprechen.

Hier in Arklow am Hafen ist es noch ziemlich lebendig. Ein Fischerboot ist gerade herausgefahren, ein anderes scheint gerade rein zu kommen. Dahinten ist noch was los an den Piers. Da liegt ein Rettungsboot der RNLI.

Auf jeden Fall rudert man hier gerne. Das sehe ich hier öfter. Gerade eben ist das dritte Ruderboot in die kleine Marina reingeschippert. Mit vier Mann besetzt.

Was ich nicht gesehen habe ist ein Hurlingspiel. Es war zwar auf den Sportplätzen was los, aber nie Hurling. In Cork gab es ein Fußballspiel bei strömendem Regen.

So am Ende einer Tour frage ich mich ja, würde ich so eine Tour noch mal machen? Und ich würde sagen ja, aber anders. Und dann würde ich es im Zweifel genauso machen wie davor, mich über die selben Sachen aufregen und ist dann trotzdem gut finden.


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