Mo, 9.5.2016 • Tag 3: Rosslare  ➟  Kilkenny


Ich hatte in der Apotheke Reisetabletten gekauft, die durch ihre Wirkstoffe auch als Schlaftabletten dienen sollen (sagte der Apotheker). Immerhin übel ist mir nicht geworden. Geschlafen habe ich nur kurz.

Die Sitze sind scheiße und es ist kalt. An einigen Stellen zieht es wegen der Belüftung von oben. Das Schiff zittert und vibriert die ganze Zeit und es ist ein Heidenlärm. Die Deckenverkleidung klappert.

Ich konnte den freien Platz neben mir mit meinen Sachen belegen. Mag mir gar nicht ausmalen, wie es sein würde, wenn jeder der ungefähr 100 Sitze belegt wäre. Die Italiener haben offensichtlich in Kabinen geschlafen. War ja auch ein Profi-Angel-Team.



Der Mensch, der am Morgen die Ansagen macht, hat sein Handwerk anscheinend in Nordkorea erlernt. Langatmig wird da irgendetwas erzählt, was eh keiner versteht, und es plärrt so laut, daß man sich beim Runtergehen der Treppen Richtung Autodeck die Ohren zuhält. Die Hochrucklautsprecher pressen sein Gebrabbel in unglaublicher Lautstärke durchs Treppenhaus und in die Gehörgänge der armen Passagiere.



Diese Gängelei geht einem irgendwann mal ziemlich auf den Geist. In Cherbourg nervten schon die ständigen Kontrollen. Kaum in Irland von der Fähre runter hält dich der Immigration Officer an und will deinen Pass sehen und ins Auto schauen. Dann fährst du zum nächsten. Der will nicht in dein Auto schauen, sondern nur wissen, was du vorhast, wann du dein Auto gekauft hast und wie deine Reise verlaufen soll. Zum Glück war das jetzt der letzte, der mich aufgehalten hat.

Jetzt bin ich aus Rosslare raus und auf dem Weg zu meiner ersten Station. Man kann gerade nicht behaupten, daß Irland die grüne Insel ist. Im Moment ist es eher die graue Insel. Es regnet, ist bedeckt und diesig. Vom Schiff aus konnte man auch schon nicht viel von der Insel sehen.

Und ich stelle fest, daß meine Scheibenwischer mal wieder scheiße sind.



Hook Lighthouse Hook Lighthouse Hook Lighthouse Der Weg zum Hook Lighthouse ist sehr gut für den Einstieg. Linksverkehr kein Problem, Kreisverkehre auch nicht. Wobei ich bis jetzt auch immer nur die erste Abfahrt nehmen mußte.

Ich hatte einen Trecker vor mir, was aber nicht schlecht ist, weil man dann mal Zeit hat, rechts und links zu schauen. Was sehr lohnenswert ist.

Und hier am Lighthouse gibt es jetzt erstmal ein Käffchen aus der Maschine und gebuttertes Schwarzbrot mit Käse auf dem Gaskocher gebraten.

Ich habe irische Süßrahmbutter und irischen Cheddar, was ich beides noch zuhause im Kühlschrank hatte, von Deutschland mit nach Irland gebracht. Auch irgendwie bescheuert.

Am Leuchtturm steht ein Auto aus Gibraltar. Wenn die den Weg bis hierhin mit dem Auto gefahren sind.. Respekt.



Als ich vom Lighthouse losfuhr ist es mir dann doch kurz mal passiert, daß ich ein bischen weit rechts auf der Straßenseite angesetzt habe, nach einigen Metern habe ich es dann aber bemerkt.

Auf dem Weg zum und vom Leuchtturm kommt man an der Loftus Hall vorbei. Ein altes Herrenhaus oder Schloß oder irgendsowas.

Ein alter Kasten direkt am Wasser. Es würde in jeden düsteren Krimi oder Horrorfilm reinpassen. Es hat etwas anziehendes. Ziemlich spooky, aber irgendwie sehr interessant. Es hat was.

Der Weg zum Lighthouse führt an einer wirklich schönen Küstenlandschaft vorbei. Nicht unbedingt Klippen, aber stark abfallende Küstenlinie und doch auch einige Meter hoch über dem Meeresspiegel.

Und was man hier auch ganz oft sehen kann ist, daß egal wie sehr das Haus in der Pampas steht, egal wie klein oder wie schäbig es ist, Hauptsache das große Einfahrtsportal zum Grundstück ist protzig. Mit schmiedeeisernem Tor und gemauerten halbrunden Wänden.



In Duncannon, als nächstes Ziel nach Hook, war jetzt nicht so sehr viel zu sehen, aber die Landschaft ist sehr schön. Strände. Und wenn man danach nach Arthurstown fährt kommt man an einem schönen Küstenstreifen vorbei.

Und selbst wenn man jetzt nicht irgendwo anhalten wollte ist allein die Fahrt schon lohnenswert.

Ich stelle fest, daß die Verständigung mit den Einheimischen ganz gut klappt. Der irische Akzent klingt wie eine Mischung aus eher britischem Englisch und dem amerikanischen Englisch mit dem extremen "R"- Möglicherweise ist es aber auch genau anders herum und die Iren haben das breite "R" in die USA mitgebracht.



Entlang der R734, auf der ich nach New Ross fahre, steht aber auch so manches nette Anwesen. Da würde ich mir so das eine oder andere von einpacken und mit nach Hause nehmen wollen.



Ich erlebe den Iren als sehr freundlichen Menschen, aber in einem Land, wo man im Kühlregal Minz-Schokoladen-Milch kaufen kann, kann eh nichts verkehrt sein.

Ich war gerade bei Tesco in New Ross einkaufen und habe etwas Geld am ATM gezogen, weil ich nach Frankreich auch nicht mehr soviel in der Tasche hatte. An der angeschlossenen Tankstelle wurde ich nach dem Tanken beim Bezahlen nach meiner Clubkarte gefragt. Hmm, ich stehe da draußen als einziges Auto.. mit einem deutschen Kennzeichen.. die Wahrscheinlichkeit einer Clubkarte ist wohl eher gering.



Bei den Preisen für Bier und andere Alkoholika frage ich mich, wie die Iren es geschafft haben, sich den Ruf eines trinkfreudigen Volkes erarbeitet zu haben. Ich habe eben für 4x0,33L-Flaschen Bier 8 Euro bezahlt. Okay, es war auch ein Sonder-Spezial-Bier, für das ich die Werbung auf der Fähre gesehen hatte. Aber auch für eine ganz normale Halbliterdose Cider habe ich gerade €2,19 bezahlt. Da kann man zum Abstinenzler werden.



Lustig ist es auch, die Preisschilder auf Englisch zu sehen, mit der Anmutung derer eines englischen Supermarktes, aber mit Eurobeträgen drauf und man denkt, daß da eigentlich Pfund stehen müßte. Das wirkt zusammen mit den englischsprachichen Sonderpreis- und Aktionsschildern irgendwie verkehrt. Obwohl es das gleiche Geld ist, das ich zuhause auch benutze.

Die Preise habe ich allerdings noch nicht wirklich verglichen. Gefühlt ist alles einen Tick teurer.



Der Weg nach Craiguenamanagh führt auch an einem Tal vorbei. Sehr schöne Aussicht. Es gab einen Hinweis auf einen Aussichtspunkt in 100 Metern, aber vielleicht rechnen die hier andere 100 Meter. Der kam dann natürlich nicht nach 100 Metern, sondern nach 200 Metern und da hatte ich ihn nicht mehr auf dem Zettel. Aber insgesamt eine sehr schöne Strecke.

In New Ross nieselte es noch. Gerade ist es trocken und klart etwas auf. Es ist jetzt 15:00. Mal sehen, wie das Ganze irgendwann mal bei Sonne aussieht.



Ich muß ja sagen, im Moment, wo ich das hier alles sehe, bereue ich keinen einzigen Kilometer, den ich gefahren bin. Weder in Irland noch die elendige Gurkerei von Hamburg zur Fähre. Das war es alles wert. Und auch eine der übelsten Nächte aller Zeiten in dem miesen Sitz auf der Fähre.

Aber ich hätte auch das Pech haben können bei einer 4er-Kabine, wo die Nacht immer noch 99€ gekostet hätte, daß ich da mit Martins und Oskars in einer Kabine gewesen wäre und im Zweifel noch Jacek, dem LKW-Fahrer, und da hätte ich auch kein Auge zu gemacht.

Ich dachte gerade, daß ich mich auf mein Bett freue. Mein eigenes.



Ich hätte ganz ehrlich nicht gedacht, daß Irland so hügelig ist. Wenn ich rechts und links aus dem Fenster schaue sind überall irgendwelche Hügel zu sehen. Ich habe noch keine topfebene Stelle gesehen.

Und selbst am Wasser ist man einiges oberhalb des Meeresspiegels. Ich bin vorhin eine Steigung hochgefahren.. ich sag mal so: "Schöne Grüße nach Norwegen!". Am Fjord längs gibt es da ähnliche Steigungen. In jedem Fall ist Irland nicht flach.



Kilkenny, Black Abbey Kilkenny Castle Kilkenny, High Street Kilkenny am Nachmittag. Ein verkehrstechnischer Alptraum. Es ist alles unglaublich voll. Auf dem Hinweg hatte man dann schon die ganze Zeit in den Städten Trecker vor sich und es scheint, als wenn sämtliche Landwirte ihre Rindviecher spazieren fahren.

Ich habe das Auto am Fair Green Car Park in der Gaol Road abgestellt. Da kostet das Parken 1€ pro Tag, der Car Park daneben kostet 2€, egal wie lange man auf ihnen steht.

Ob von morgens bis 7 Uhr abends oder wie ich noch zweieinhalb Stunden. Ich werde dort auch die Nacht über stehen

Ich bin dann mit dem Fahrrad in die Innenstadt gefahren. Das ist in Kilkenny aber genauso sinnvoll wie mit einem Jumbojet durch die Innenstadt rollen zu wollen.

Das Rad habe ich dann schnell wieder zurück gebracht und die High Street, St. Kieran's Street und Parade mit dem Castle zu Fuß abgelaufen.

Bei Smithwick's Brauerei machte man gerade zu. Es ist 20 nach 6 und in der Innenstadt werden die Bürgersteige hochgeklappt. Wer jetzt noch etwas will, muß warten, bis es in den Pubs rundgeht.



Die leere Innenstadt gibt dem Iren aber mal die Gelegenheit, jetzt Straßen aufzureißen, den Verkehr dafür umzuleiten und mit Müllwagen durch die Stadt zu fahren, um den Müll der Geschäfte abzuholen.

Weil, es ist ja keiner mehr da. Alle sind nach Hause gegangen.



Hurling ist ja in Irland der ganz große Scheiß. Überall sieht man, vor allem Jugendliche, mit diesen charakteristischen Schlägern mit dem breiten, paddelartigen unteren Ende unter dem Arm.

Und bei RTÈ2 auf der Fähre lief eine dicke Show über Hurling. So wie bei uns die Fußballsendungen. Vorher lief das ebenfalls beliebte Rugby.


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