Di, 10.5.2016 • Tag 4: Kilkenny  ➟  Cork


"Ganz ehrlich: Lerne Englisch!"

- Deutscher Abenteuercamper, 2016



Ein Pfandflaschensystem scheint der Ire nicht zu kennen. Und auch das Fahren mit Tagfahrlicht ist nicht unbedingt seins. Hier fahren Leute im Regen und in der Dämmerung und haben nicht eine Funzel an. Was doof ist, da es im Moment regnet.

Ich habe meinen Platz heute Morgen um kurz nach 8 geräumt. Es herrscht eine gewisse Feuchtigkeit im Auto. Meine kleine Wetterstation zeigt mir Sonne an und ein bischen Wolken und hohe Luftfeuchtigkeit. Ich weiß nicht genau, wo das Ding gemesssen hat, im Zweifel im Auto drin. Das mag angehen. Dort ist es sehr warm und sehr feucht mit leicht saunaartigen Bedingungen. Aber draußen ist im Moment nicht viel von Sonne zu sehen. Immerhin bei den Wolken hat das Teil recht. Wenn es auch den Regen vergessen hat.



Die meisten der Straßen scheinen noch von vor dem Krieg zu stammen. Also dem von 1728. Hier darf man mit 100 Km/h über Pisten fahren, da mag ich noch nicht einmal mit 60 fahren. Aber die Kollegen geben auch ganz gut Gas. Und so von wegen geschmeidig ein bischen cruisen ist nicht. Weil du garantiert den nächsten im Nacken hast.

Wenn du da mal ein wenig langsam fahren möchtest, dann brauchst du wieder einen Trecker vor der Nase. Ansonsten ist es kaum machbar, ohne daß du von einem von hinten gestresst wirst.



Das erste Mal irische Autobahn. Die M8. Das Tolle an englischen und irischen Autobahnen ist, daß ich mit meiner Karre die ganze Zeit links fahren kann. Nur wird man trotzdem dauernd rechts überholt. Ist dann doch so ein bischen so wie bei uns.



Rock of Cashel Rock of Cashel Nach ungefähr einer halben Stunde habe ich dann auf einem Schotterplatz an der Straße angehalten, das Auto klarschiff gemacht und mein Frühstück zu Ende gebracht, das ich ob der Räumung meines Platzes um 8 nicht vollständig eingenommen hatte. Nächstes Mal muß ich aber den Schinken deutlich krosser anbraten.

Danach ging es nach Cashel zum dortigen Rock of Cashel, einer zerfallenen Burg oben auf einem Berg. Ich traf auf der Straße zur Burg einen Amerikaner, der fragte, ob wir hinaufgehen wollten. Ich meinte aber, ich wolle erst noch Fotos machen. Weil, so richtig Bock, da rauf zugehen, hatte ich eh nicht und die olle Erkältung plagt mich immer noch. Mein rechtes Auge tut einfach nur weh.

Und die Bedingungen sind auch nicht gerade gesundheitsfördernd. Ich schwitze wie Eimer. Es ist furchtbar warm, gleichzeitig auch sehr windig und zugig. Wenn man da mal lüftet zieht es dermaßen. Schwitzen und Zugluft. Eine tolle Kombination.

Und so blieb es dann bei Fotos und einem kurzen Spaziergang durch Cashel, wo die berühmten Cashel-Kerne herkommen.



Cashel, Chapel Lane Diese erzwungene Zweisprachigkeit finde ich ehrlich gesagt ziemlich befremdlich. Wenn jemand kein Irisch spricht weiß ich nicht, warum man dem das aufzwingen muß, die ganzen Schilder auf Irisch lesen zu müssen. Und wer es sprechen will soll das tun. Zuhause.

Vor allem finde ich einige Sachen so ein bischen an den Haaren herbeigezogen und konstruiert. Wenn man da die CHAPEL LANE hat und die im Irischen LÁNA TSÉIPÉIL geschrieben wird, was man man im Zweifel wohl beinahe wie das englische Chapel ausspricht, dann finde ich das komisch. Oder LÁNA BUS.. die Busspur. Bus, das alte keltische Wort für... äh...

Das klingt dann immer so, als hätte man auf Krampf versucht, ein englisches Wort einzuirischen. Bei Ortsnamen hat man allerdings oft wohl den irischen Namen eingeenglischt.



Cahir Castle Cahir Castle In Cahir ging ich durch sämtliche Klimazonen der Erde.

War mir in Cashel mit der Fleecejacke noch viel zu warm trug ich in Cahir nur ein Hemd über dem T-Shirt. Das wurde dann aber auch sehr kalt, wenn der Wind pfiff.

Nachdem ich das Schloß fotografiert hatte war ich noch beim Aldi drin. Ich näherte mich der Obst- und Gemüseabteilung und es war so dermaßen kalt. Man hätte frische Schweinehälften auch direkt so unter die Decke hängen können und es hätte sämtlichen Kühlnormen entsprochen.

Den Aldi erkennt man kaum von außen. Weil er nicht so schäbig aussieht wie bei uns. Immerhin hat man auf den Gängen ähnlich hässliche Fliesen verbaut wie in der Heimat. Und im Gang liegt ein Keks. Also schon so ein wenig wie bei uns.

Die Auswahl konnte ich nicht lange betrachten. Es war einfach zu kalt.

Als ich aus dem Aldi herauskomme ist es windstill und so unfaßbar schwül, daß ich sofort wieder zu schwitzen beginne. Bis kurz darauf wieder ein kalter Wind weht.



Ich will den Parkplatz des SuperValu verlassen, auf dem ich stehe und in dem ich vor dem Besuch beim Castle kurz drin war. Ich muß sagen SuperValu wird nicht mein Laden. Ich bin wohl einfach Tesco-geprägt. So wie ich in Dänemark immer gerne mal zu Bilka gehe, obwohl mir alle sagen, daß das die Apotheke unter den Supermärkten ist. Es sei denn, es gibt einen Kvickly. Wie dem auch sei.

Ich bekomme mit, wie eine ältere Dame versucht, ihren Ford Focus zu starten, doch die Batterie ist dem Gegurgel nach komplett leergelutscht. Das scheint ein typisches Ford-Problem zu sein. Das kenne ich von meinem Auto auch. Nachdem ich im dänischen Blåvand nur mit Hilfe eines deutschen Supermarktleiters des Meny-Supermarktes und seines Kabels am Sonntag wieder wegkam habe ich mir extra ein Starthilfekabel gekauft. Jaha, verbranntes Kind scheut bekanntlich das Feuer.. oder so.

Ich gehe zu der Dame hinüber und frage, ob ich ihr helfen kann. Ich hätte ja ein Kabel dabei. Sie meinte "tank you, very kind", aber ihr Sohn sei schon auf dem Weg und jede Minute da. Ich steige in mein Auto und fahre los und da kommt Junior auch schon, um Mudders Auto wieder flott zu machen. Okay, keine gute Tat getan heute, aber immerhin angeboten.



In Irland gibt es natürlich auch die bekannten Oreo-Kekse. Allerdings findet man zusätzliche Varianten. "Golden" nicht wie gedacht mit Zitrone, sondern Vanille. Die muß ich noch probieren. Die mit Erdnußbutter-Aroma habe ich schon aufgegessen. Abgefahren. Schmecken gut, muß man aber mögen. Aber ich habe das Gefühl, die waren nicht billig. Das Preisniveau hier scheint insgesamt nicht gerade niedrig zu sein.

Dann fällt auf, daß man ohne Ende überall die skinless sausages, hautlose Bratwürste, bekommt. Ich würde gerne mal eine Wurst auf meinen Gaskocher schmeißen, aber es gibt anscheinend nur die hautlosen Würste. Und die sehen irgendwie aus wie ... ausgekotzt. Und auch das Hack, zum Beispiel Truthahn-Hack, sieht aus wie hingeschissene Garnelen. Da hat man so richtig dicke Stränge beim Hack. Sieht alles andere aus, als daß ich es kaufen wollte. "Was gibt es denn heute zu essen? Ah, Hirn!"

Überhaupt gibt es ganze Regale voll mit Beef und Pork. Wichtig sind auch die Rashers. Der Frühstücksspeck, in breite Scheiben geschnittener Schinken, den es zum typisch irischen Frühstück gibt. Da gibt es mehrere Sorten und Marken von. Ich hatte einmal die normalen gekauft und von Denny die mit Hickory-Geschmack.

Dazu gehört der Frühstücks-Tee, ich glaube es ist schwarzer Tee. Auch den von mehreren Marken. Hier kann ich aber noch nichts zu sagen, den werde ich mir in Ruhe zuhause... rein"ziehen".



Eigentlich stand heute noch die Tropfsteinhöhle von Mitchelstown auf dem Plan. Aber ich dachte, dunkel habe ich es so auch und feucht ist es schon genug draußen. Und ich muß mit meinem dicken Kopf und meiner Erkältung nicht in eine Höhle rein. Saukalt war es außerdem schon bei Aldi. Ich habe die Höhle also ausgelassen. Die stand eh nur so auf dem Zettel unter "Kann man machen, muß nicht".

Ich war auch in keinem Castle drin. Ich habe den Nerv dazu nicht und auch nicht die Zeit. Mir reichen die Fotos von draußen. Ich muß da keine alten Gemälde und Wandteppiche anschauen. Damals in den Castles von Edinburgh und Sterling war das okay.

Ich weiß nicht, welche Beweggründe der amerikanische Tourist hatte, hierher zu kommen. Wenn er irische Vorfahren hatte, die aus der Gegend kamen, dann macht es vielleicht Sinn, sich eine Woche lang hier umzusehen. Aber ich habe nur 3 Wochen für das ganze Land. Trotzdem habe ich nie das Gefühl, ich würde dadurch etwas verpassen oder vermissen. Meine Art des Urlaubes ist nicht jedermans Sache, aber für mich paßt es.



Komisch ist es mit dem Verkehrsfunk. Das Radio wird dann plötzlich lauter, man hört aber nur etwas über Promis. Oder vorhin auf RTÉ P1 kam dann eine Windvorhersage. Was mir nicht unbedingt hilft. Da ich nicht segeln will.

Wenn man nicht genau hinhört könnte man oft glauben, daß da Amerikaner sprechen. Und was bei dem Radiomenschen gerade auffiel ist, daß neben der Tatsache, daß der Ire oft irgendwie gepresst klingt, sie statt des "th" ein "t" sprechen. Das konnte ich schon bei der Dame mit der leergelutschten Batterie hören, die ja "tank you" sagte, statt "thank you".

Und der Radioonkel meinte eben "tousand" und "tree" statt "thousand" und "three". Vielleicht sollten sie es wie einige Deutsche versuchen, die glauben, über die Runden zu kommen, indem sie "ßausend" und "ßri" sagen.



In Belfast hat man gerade einen Take away-Auslieferungsfahrer zu einer gefälschten Adresse in einen Hinterhalt gelockt und erschossen. Bereits vor einem Jahr hat man ihm in den Mund und den Kopf geschossen. Schön. In zwei Wochen bin ich in Belfast.

Und dann wurde gemeldet, daß man wohl ungefähr 1.400 Drunk & Drive-Verfahren zurückgehalten hat, da die Betroffenen die Anklagegeschreiben oder Strafzettel nicht zusätzlich auf Irisch ausgestellt bekamen und sie darauf klagten, sie hätten die Schreiben in einer ihnen verständlichen Sprache bekommen müssen. Das hat das Gericht nun aber abgewiesen und die Verfahren wieder aufgenommen. Ich sage mal ganz ehrlich: "Lerne Englisch!".



Cobh, Cathedral Cobh, Harbour Street Cobh, Westbourne Place Es ist inzwischen unglaublich heiß geworden. Auf dem Armaturenbrett ist es 43°, der andere Sensor sagt 21°. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Die Sonne brennt. Man fährt Hügel rauf und runter und fährt auf palmenbesäumten Straßen. Also jetzt nicht die großen Kokospalmen, kleine halt, aber du denkst eher, du bist in Südfrankreich, als in Irland.

Ich bin in Cobh (gesprochen Koww) und parke auf dem Parkplatz hinter der Kathedrale und werde mir die Stadt mal ansehen.

Cobh war der letzte Hafen der Titanic, bevor sie sich Richtung New York aufmachte.



Gerade fragte eine Touristin ein anderes Touristenpaar, ob sie denn ihre Dollars in Pfund tauschen müsse und man wies sie darauf hin, daß man hier mit Euros bezahlen würde. Ich mag es, wenn die Leute vorbereitet sind.



Ich muß ja zugeben, daß mir das irische Folk-Gedudel jetzt schon auf den Sack geht und ich habe noch mehr als zwei Wochen vor mir.



Um 16:00 findet dann in der Kathedrale ein Glockenspiel statt. Ich war ziemlich lange kreuz und quer in der Stadt unterwegs und bin auch richtig fertig gerade.

Vor der Kathedrale zitterten mir die Arme und ich konnte sie kaum noch zum Fotografieren hochbekommen. Vor der Stirn und über dem Auge ist ein fürchterlicher Druck.

Als ich losging brüllte die Sonne und ich ließ die Dachluke offen. Als ich zurückkam war ich naß vom nieselnden Regen. Jetzt regnet es heftig, dafür ist die Temperatur wieder erträglich.



Wie auch in Großbritannien trägt man hier Schuluniform. Damit natürlich alle Kinder gleich aussehen und sie sich nicht über Markenklamotten identifizieren können.

Das ist gut. So können sie sich über ihr Smartphone und die dazugehörigen Kopfhörer identifizieren.



Von Cobh aus ging es zum Wilton Shopping Centre bei Cork. Dort wollte ich (so war der Plan vor Abreise in Hamburg) bei THREE in den Shop gehen und mir eine 20€-Sim-Karte holen von wegen "All You Can Eat" (heißt wirklich so bei denen). Für Daten und Telefon. Aber nun bin ich schon ein paar Tage unterwegs und es lohnt sich irgendwie nicht mehr. Wenn ich WiFi brauche dann gehe ich in ein Shopping Center oder in den Innenstädten findet man oft auch freies WiFi.

Der Hintergrund der Karte war der, daß ich einen Blog schreiben und dieses Reisetagebuch auf die Homepage stellen wollte. Letzten Endes komme ich aber gar nicht dazu, alles tagesaktuell zu schreiben und zu posten und es wird wohl alles erst nach der Tour fertig werden. Das lohnt sich dann alles nicht. Sternchen

Ich kam um 17:00 am Center an, war aber so müde, daß ich mich für eine halbe Stunde hinlegen wollte. Daraus wurden eineinhalb Stunden. Dann bin ich ins Center zu Tesco gegangen. Die anderen Läden hatten schon zu. Der Tesco hat 24 Stunden geöffnet. Ich muß mal in so einen Laden um Mitternacht reingehen. Ob dann die Kassen besetzt sind? Oder ob alles nur Self-Service ist?

In England war ich ja in einem Tesco, der 24 Stunden geöffnet war und bei dem man aber erst ab 10:00 morgens an der Kasse bezahlen kann. Ich habe das noch nicht wirklich verstanden.

Der Knaller ist, daß man ab 22:00 keinen Alkohol mehr kaufen darf. Wenn man sich also ordentlich die Kante geben will, muß man seinen Stoff bis 21:59 durch die Kasse haben. Auch am Sonntag gibt es bestimmte Zeiten, in denen man seinen Booze kaufen kann. Was für ein dämliches Gesetz. Wer seine drei Flaschen Wodka für den Tag braucht, wird sie sich halt rechtzeitig besorgen.



Cork, City Hall Das Parken bezahlen per Telefon ist wirklich eine feine Sache. Wenn man Einheimischer ist.

Als Auswärtiger oder gar Ausländer weiß ich nicht, wie man das bewerkstelligen soll.

Entweder muß ich eine Nummer anrufen oder eine App auf das Telefon laden. Was beides mit meinem 1&1-Auslandstarif schon eine super Idee ist. Oder ich ziehe die App per freiem WiFi.

Nur leider ist es nicht möglich, mit dem freien WiFi in Cork, genannt "bitbuzz", eine Verbindung herzustellen.

Noch dazu gibt es an meiner Parkposition überhaupt kein bitbuzz, das bekam ich erst einige Ecken später angezeigt. Bei McDonald's hatte ich dann WLAN.. WiFi.. WLAN.

Um das Parken bezahlen zu können muß ich etwas Geld in mein Parkkonto einzahlen. Ähm, ich halte mich nur einen Tag auf. Die Überweisung von meinem deutschen Konto dauert bestimmt länger. Was ist eigentlich aus dem guten alten Parkautomaten geworden, in den jeder Münzen reinwerfen kann? Egal ob Corker, Ire, Franzose oder Deutscher.

Das gleiche gilt für die Coke-Zero-Bikes. Leihfahrräder. Entweder kaufe ich einen 3-Tages-Pass oder ein Jahres-Abo. Nicht wirklich interessant für mich. Warum kann ich da nicht einfach meine Kreditkarte ins Terminal reinschieben, zahle 3€ für 3 Stunden oder so und gut ist? Erstmal muß ich eine Sicherheitsgebühr von 150€ hinterlegen für eventuelle Schäden. Grr, würde ich es über die Kreditkarte bezahlen hätten sie doch meine Daten falls ich das Rad kaputt mache...

Ob das die richtigen Konzepte sind? Ich glaube, ich werde die mal fragen.



Sternchen Es stellte sich heraus, daß ich am 11. Tag noch immer am Bericht vom 4. Reisetag schrieb. Von daher machte das eh keinen Sinn.


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