So, 15.5.2016 • Tag 9: Doolin Pier  ➟  Barna Pier

Ich würde mal sagen, irisches Essen und ich... das wird in diesem Leben nichts mehr. Der Speck, den ich heute Morgen gebraten habe, der war okay, nachdem ich ihn lange genug habe braten lassen.

Die Würstchen sind absolut schlimm gewesen. Da half nur, die Reste ein zweites Mal in der Pfanne heiß zu machen und mit viel BBQ-Sauce zu ertränken.

Dann habe ich die Bohnen mit Tomate und den Schweinewürsten gemacht. Allerdings sind auch diese Würstchen skinless und extrem weich.

Wie auch die anderen Würste, die ich gestern Abend gebraten habe. Es wirkt als sei das Ganze nur eine weiche, fettige Masse.

Wer sich in Irland eine Existenz aufbauen möchte, sollte als Schlachter Würstchen machen oder Vanillepuddinghersteller. An Vanillepudding herrscht absoluter Mangel. Und das, was in die Richtung geht, ist unfaßbar süß.



Limerick. A Stolen Ringbuoy - A Stolen Life Überall am Wasser und an den Flüssen hängen Rettungsringe und -bojen. Und an dem kleinen Häuschen, in dem das Rettungsmittel untergebracht ist, steht "A Stolen Ringbuoy - A Stolen Life". "Ein gestohlener Rettungsring ist ein gestohlenes Leben". Was ich einen sehr geilen Spruch finde.

Und an vielen Stellen bei diesen Rettungsbojen ist dann ein Schild angebracht mit der Aufschrift "Need to talk?" und einer Telefonnummer der Samariter.

Ich weiß nicht, wie hoch die irische "Ich-geh-ins-Wasser-und-sage-der-Welt-tschüss-Rate" ist, daß es da Bedarf gibt, jemandem anzubieten, zu sprechen, bevor er oder sie sich selbst ertränkt.



Als ich mein Frühstück brutzelte kamen 4 Raben und lauerten auf eine milde Gabe. Na gut, solange die Geier nicht über einem kreisen.



Unten am Pier herrscht schon reges Treiben. Die ersten Boote und Fähren machen sich auf zu den Arans, bzw. den Cliffs of Moher. Ich hatte auch erst überlegt, ob ich so eine Clifftour machen sollte. Aber als dann so die ersten Horden von Menschen auf mich zukamen, in Richtung Boot, dachte ich mir so: "Äh.... Nee..."

Ich werde mich jetzt aufmachen in Richtung Galway. Ich muss sagen, ich habe es an diesem Platz hier sehr genossen. Es ist 10:50. Um 11 gehen die nächsten Fähren. Es wird hier langsam auch voll. Sprich: Zeit, um abzudampfen. Ich habe heute sowas von in Ruhe gefrühstückt. Abgewaschen, am Wasser gesessen und rausgeguckt. Das war sehr entspannend und schön. Und jetzt geht die wilde Fahrt weiter.



Ich fahre anscheinend gerade durch den Burren und die Ecke, in der man sich hinter einem Bus hochschraubt, heißt bezeichnenderweise Cork Screw Hill. Also Korkenzieherhügel.



Ich hatte schon in Cahir ein Wohnmobil der Marke oder des Typs Laika mit französischem oder italienischem Kennzeichen gesehen und es könnte sein, daß es gerade wieder vor mir rumgurkt. Ich finde den Namen Laika für ein Wohnmobil eher ungeschickt. Laika (zu deutsch "Kläffer") wurde damals von den Sowjets in den Weltraum geschossen und kam tot von ihrer Reise wieder. Ob das für ein Wohnmobil jetzt so unbedingt passend ist?

Ballyvaughan ist auch wieder ein wunderbares Beispiel dafür, wie schön es ist, durch enge Straßen zu fahren. Wenn auf einer Straßenseite noch das eine oder andere Auto parkt macht das gleich noch mehr Spaß, dort zu fahren. Und wenn der Reisebus auch noch unbedingt dort durch muss wird es richtig lustig. Freude am späten Sonntagmorgen. Es ist 11:40.



Die Tour auf der N67 ist eine ganz schöne. Man fährt durch richtige Täler. Rechts und links sind Berge. Dann rechts Berge, links Wasser. Eine wirklich schöne und jetzt auch grüne Landschaft mit den typischen Steinmauern auf den Feldern. Bedingt durch 2 Wohnmobile vor mir mit reduziertem Tempo, was nicht schlimm ist von der Geschwindigkeit her. Man muss nur immer ein wenig darauf achten, was sein Vordermann macht.

Was ich sehr bemerkenswert finde ist, daß ich in der letzten Zeit sehr viel Englisch gehört habe, einiges an Polnisch, Italienisch, Französisch, Portugiesisch. Was ich nicht gehört habe ist Irisch. Was komisch ist, weil hier ja alles zweisprachig ausgeschildert ist. Von daher würde man schon erwarten, daß einem viel mehr gesprochenes Irisch über den Weg läuft. Dem ist aber nicht so. Außerdem muss ich mich irgendwie verfahren haben. Hier geht es rechts ab nach Boston.



Wild Atlantic Way Filling Service. Eine Tankstelle der Marke EMO. Werden die Kinder, die auf solchen Tankstellen gezeugt werden, später dann als Emokids bezeichnet?



Auf meiner Reiseroute hatte ich an der N67 unter anderem Lisdoonvarna und Ballyvaughan vermerkt. Allerdings war ich schon durch die Orte durch, als ich feststellte, daß es die Orte auf meiner Liste waren. Da darf man nicht erwarten, daß man in größere Orte kommt. Da kommt ein Schild von wegen runterbremsen, dann kommt ein Ort und Du bist wieder draußen. Und das war dann der Ort auf der Liste.

Es war relativ voll. Zuerst dachte ich, daß vielleicht die Kirche vorbei sei und alle jetzt wieder nach Hause strömen würden. Ich hatte wenig Lust, mich zu den anderen 2000 Touristen zu gesellen, die dort durch die Gegend schawänzelten. So viel gab es dann doch nicht zu sehen. Ich hatte eh nichts auf dem Zettel. Es war mehr so nach dem Motto: "Wenze da durchkomms, kuckste dich dat ma an, woll." Aber ich hätte jetzt nicht unbedingt aussteigen müssen.



Was so Benzin und Heizmittel angeht gibt es unter anderem Claddagh Oil oder Sweeney Oil. Tankstellen von Amber, EMO und Topaz sieht man hier auch häufiger. Aber die großen Player wie Shell, BP, Q8 oder Esso sieht man eigentlich gar nicht.



Choose to live a Little TESCO hat ja das Motto "Every little helps". Also ungefähr "Jedes kleine bischen hilft". LIDL hat das Motto "Choose to live a little". "Wähle, ein bischen zu leben." Ich habe es nicht ganz verstanden. Weiß nicht, was das sein soll.

Es war zu lesen, daß die Innenstadt von Galway autofahrtechnisch eher suboptimal sei. Weshalb ich mich ein wenig außerhalb der Innenstadt bei einem Einkaufszentrum hingestellt habe, da ich eh noch beim Tesco einkaufen und WLAN schnorren wollte. Welches aber unsagbar langsam war.

Von dort aus bin ich dann bei sengender Hitze in die Stadt getigert. Was fürchterlich ist. Es heißt ja nicht, daß eine Stadt, die mit dem Auto schlecht zu befahren ist, für Fußgänger besser zu erkunden ist. Auch hier gibt es CarParks, die höhenbeschränkt sind, ideal für mich.



Galway am Corrib Galway am Corrib Galway am Corrib Galway am Corrib Galway hinterläßt bei mir einen zwiespältigen Eindruck oder sollte ich sagen zwiespältige Eindrücke? Ich wurde durch die Filme aus der "Jack Taylor"-Krimi-Reihe auf Galway gebracht und hatte mir einiges von der Stadt versprochen.

Es ist schon interessant zu sehen, daß überall Menschen in Cafés oder den Grünflächen der Stadt in der Sonne sitzen, einen O-Saft trinken oder Bier, etwas essen und das Wetter genießen. An vielen Stellen riecht es extrem unangenehm, manchmal nach Urin, manchmal nach Haschisch. Meistens aber nach ersterem.

Ich wollte an der Kathedrale vorbei zum Fischwehr mit der Lachstreppe. Bin aber anscheinend auf die falsche Seite des Flusses Corrib gekommen. Was aber nicht schlimm war. Ich bin dann an einem Kanal, der im Bogen neben dem Corrib entlang verläuft und aus dessen Wasser gespeist wird, Richtung Hafen gegangen, um beim Spanish Square rauszukommen. Das war ein netter Spaziergang.

Am Spanish Square war es voll mit Leuten. Und so waren auch schon zahlreiche Leute dort. Aus vielen Lautsprechern plärrt Musik. Gefühlt ist auch der Ire kein Leisetreter. Sei es beim Sprechen oder überhaupt was Lautstärke angeht. Oder es sind nur Touristen, die sich so gehen lassen. Einige Leute finde ich schon ziemlich vulgär.



Die Innenstadt von Galway ist brechend voll. Alles, was die Möglichkeit, bietet, sich niederzulassen ist belegt. Grünflächen, Bänke, Restaurants.

Da wird auch die eine und die andere Flasche Wein geleert. In den Fußgängerzonen ist unglaublich viel los. Musiker, Leute, die Luftballons aufblasen und formen.

Und die Frage, die sich mir heute stellt ist, warum man einen so kleinen Hund hat, den man in der Hand tragen muß, damit er nicht in der Menschenmenge zertreten wird, und der die ganzen Wege mit seinen kurzen Beinchen eh nicht schafft.



Im Galway Shopping Centre habe ich mich auf die einzige Bank, die es hier gibt, gesetzt, um noch etwas WLAN zu schnorren. Es ist ein unglaublicher Lärm.

Die unvermeidliche Musik plärrt rum, die Leute reden laut, alle 2 Minuten wirft irgendein Dödel Geld in dieses komische Fahrgeschäftsteil, das einen Bus darstellen soll, damit die Kinder auch mal etwas Spaß haben, Menschen klappern mit Rollwagen. Furchtbar.



Mit der irischen Art, Auto zu fahren, hätte ich auf Dauer etwas Schwierigkeiten, glaube ich. Man könnte sie wohl eher als tranquil bezeichnen. Oder genauer gesagt als komatös.

Da wird vor sich hingegurkt. Schnell machen muß man ja eh nicht. Und wenn ich auf der Landstraße einem schneller von hinten kommenden schon mal Platz mache, um ihn vorbei zu lassen, dann traut er sich aber nicht, auch nur einen Zoll über die mittlere weiße Linie zu fahren, um an mir vorbei zu kommen, obwohl dann zu allen Seiten genügend Platz ist. Und auch der Entgegentkommende ja im Zweifel etwas ausweicht. Aber da traut sich der Ire nicht.

Die Straßen lassen am Rand meistens ausreichend Platz, daß langsamere Fahrzeuge etwas rüberfahren können, um schnelleren die Chance zu geben, vorbeizukommen. Ich weiß nicht, ob es ein Gesetz gibt, daß das Berühren der weißen Linie, egal ob unterbrochen oder durchgängig, unter Strafe stellt.



Ich bin in Barna am Pier. An der R336, westlich von Galway. Auf einem Parkplatz. War schon ein klein wenig spazieren. Dann wurde ich so müde, daß ich mich kurz mal aufs Bett legen wollte. Aus dem "kurz mal eben" wurden dann zwei Stunden. Weshalb ich hier jetzt stehen bleibe. Aber ehrlich gesagt hatte ich den Plan schon vor meinem Nickerchen.

Ich wollte nach Silver Strand, aber die Zufahrt war durch eine Polizeiabsperrung blockiert. Also fuhr ich weiter.

Aus Galway raus bin durchs benachbarte Salt Hill gekommen. Was allerdings brechend voll war, sodaß man nur Schrittempo fahren konnte und keinen Parkplatz fand. Danach flutschte es dann wieder, aber es schien, als wollte die gesammte Bevölkerung an den Strand fahren.



In Galway hatte ich kurz mal ein wenig Bock auf einen Milchshake. Bin dann dort in das schottische Restaurant gegangen, entschied mich spontan um und hatte den New York Stack als Menü bestellt.

Allerdings gab es nicht diese komischen "Bits" dazu sondern doch nur Pommes. Und als ich dann gefragt wurde, ob ich Ketchup haben möchte, sagte ich Mayonaise. Und statt der 8,75€ hatte ich dann plötzlich 9,00€ auf dem Zettel. Das mit dem Aufrunden kenne ich ja, aber glatte 25 Cent war dann doch etwas viel. Anscheinend hat man mir die Mayonaise glatt berechnet. Ketchup hingegen scheint nichts zu kosten. Daß Mayo extra kostet ist mir hin und wieder schon einmal vorgekommen.

Bei uns wird man ja gefragt, ob Mayo oder Ketchup. Ohne Extrakosten. Jetzt habe ich mir für 25 Cent einen schönen kleinen Topf Mayo gekauft. Den umsonsten Ketchup hatte ich mir ja trotzdem auf die Pommes getan. Das war ein Deal.


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