Fr, 2.5.2014 • Tag 1: Hamburg  ➟  Kopenhagen


Die Nacht war wie Gerlinde sagt.. äh.. gelinde gesagt Scheiße. Ich wollte noch ein anderes Kissen mitnehmen. Vergessen. Ich lag lange wach und wenn ich schlief hatte ich bescheuerte Träume. Erst lege ich mich in der Dunkelheit mit einem Typen an und treibe ihn über den Campingplatz, dann zückt er sein riesiges Messer und treibt mich wieder zurück. Ich flüchte in meinen Wohnwagen, wo er mich aufspürt (es ist plötzlich hell) und ich ihn und seine inzwischen 2 Freunde mit 3 Schüssen aus einem M16-Gewehr erschiesse.

Außerdem hatte ich einen heftigen Krampf im rechten Oberschenkel, den im linken konnte ich gerade noch so verhindern, und unterhalb meines rechten Ohres schwillt irgendetwas an. 4:35 werde ich wach. Gleich geht´s zur Fähre. Hoffentlich bleibe ich wach den ganzen Tag.

Gestern Abend bin ich losgefahren. KM-Stand geschätzte 39430. Ich hätte VORHER dran denken sollen. Geplante Zeit der Abfahrt war 18:30. Bis ich dann wirklich unterwegs war war es eine Stunde später. Vorher wurde noch das Auto betankt und das Fahrrad, das auch noch ins Auto mußte, mit Luft versorgt und am Geldautomaten der Stand des Postbanksparbuches gecheckt, das ja quasi die Reisekasse war.

Die Fahrt nach Puttgarden war ereignislos, was ja auch nicht schlecht ist. Unterwegs gab es noch etwas zu Essen beim Schotten. In Puttgarden habe ich mir einen Parkplatz gesucht. Es gab welche, wo man für beispielsweise 4 Stunden 2 € bezahlt. Hätte ich den Parkplatz, auf dem ich jetzt stehe, nicht gefunden hätte ich das gemacht. Aber so... Ich habe geschaut und es stehen keine Schilder, die mir das Parken verbieten.



Ich habe eine Fähre früher bekommen, die um 5:15 statt 5:45. Komisch, die machen ein riesen Geschrei, daß man genau die gebuchte Fähre nimmt, sonst ist das Ticket nur für einen teureren Preis zu bekommen. Und dann geht es doch auf mal.

Der Kahn schaukelt wie blöde. Ich kam total dämlich zum halten und stehe genau vor der Tür zur Treppe. Ein Glück, daß nicht 20 Reisebusse auf der Fähre sind, deren Insassen sich alle an meiner Autotür und Aussenspiegel vorbeiquetschen müssen.

Im Boardshop gab es erstmal eine 24er-Palette Carlsberg Sort Guld (Schwarzes Gold) und eine Palette Norrland´s Guld. Mir ist von der Schaukelei ein bißchen übel und es gibt schönere Anblicke als eine Horde unausgeschlafene Pubertierende, die zombiartig über das Deck wanken. Die Ansage, daß der Verkauf von Alkoholikern... Alkoholika losgeht gibt es wohl auch nicht mehr. Nur die, daß der Verkauf in 10 Minuten eingestellt wird. Und daß man sich zum Auto begeben möchte wird einem auch nicht mehr gesagt. Wenn man merkt, daß sich immer mehr Menschen in Richtung Autodeck bewegen, sollte man sich anschließen.



Schlaftrunken ging es dann nach Kopenhagen. Schön durch den Berufsverkehr. Mit ein paar kleinen Staus, aber alles noch machbar. Allerdings immer auf der Hut vor einem weiteren Krampf, der sich ankündigte. Deshalb gab es noch einen kurzen Halt mit Dehnübungen auf dem Rastplatz an der Brücke nach Møn.

Dann war ich auf der Suche nach dem Parkplatz, den ich bislang immer benutzt habe. Wie üblich hatte ich den Straßennamen vergessen. Aber die grobe Richtung hatte ich. Als ich auf eine weiß getünchte Kirche zufuhr wußte ich, daß ich in der Nähe war. Ich konnte links fahren oder rechts und entschied mich für rechts.

Links wäre richtig gewesen. Nach etwas Gurkerei war ich dann an "meinem" Parkplatz. Allerdings gibt es hier Parkbestimmungen von wegen nur 3 Stunden, die es zwar beim letzten Mal auch schon gab und die mich da nicht interessierten und sonst auch niemanden, aber irgendwas stand da von nachts und am Wochenende und ich wollte nichts riskieren. In der Querstraße gab es Plätze en masse. Zwar etwas den Berg hoch, aber trotzdem gut.

Und als ich dann auf dem Fahrrad saß und die ersten hundert Meter gefahren war hatte ich ein breites Grinsen auf dem Gesicht und habe gedacht, daß sich der ganze Aufwand, die ganze Planung und Plackerei alleine dafür schon gelohnt haben.



Das ESC Village in der Strøget Ich stelle fest, daß ich vor 11 Monaten das letzte Mal Fahrrad gefahren bin. In England. Ich habe anscheinend in meinem Hinterrad eine 8 drin. Wahrscheinlich vom Verzurren mit dem Spanngurt. Nach der Tour sollte ich mich auch irgendwie mal um ein anderes Fahrrad bemühen. Das ganze Hinterrad wackelt seit langer Zeit. Tut mir leid Russel, aber so langsam fällst Du mir doch ein bißchen doll auseinander.



20 vor 12. Kopenhagen ist vollgeschissen mit Touristen. Hier unten an der kleinen Meerfrau (ich nenne sie so, weil im dänischen heißt sie Havfrue, im englischen Mermaid, nur wir Deutschen machen aus ihr eine Jungfrau. Und wer weiß, ob sie das ist!?) stapeln sich die Touris. Lautstarke Italiener schreien wie üblich durch die Gegend. Ich werde morgen früh noch mal hier herfahren und meine Fotos machen. Vor 8, bevor die ganzen Touristenhorden hier aufschlagen.



Ist er es oder ist er es nicht? Zum Mittag habe ich eines von den Starkølen getrunken, die ich auf der Fähre erworben habe. Auf nüchternen Magen. Ich schwanke gerade wie vorhin auf der Fähre.

Und eben hat neben mir auf der Bank Kommissar Wallander gesessen. Zumindest sah der Typ original so aus. Mit einer ähnlichen Frisur, einer ähnlichen Sonnenbrille und Dreitagebart. Und Klamotten wie aus dem Film. Und er hatte 2 Fahrräder dabei, von denen er eines schob.

Und deshalb bin ich mir nicht wirklich sicher, ob er es war. Aber vom Gesicht und von der Figur her hätte er es sein können.



Nyhavn am Tage Ich will ja jetzt nicht kleinlich sein, aber... Liegst Du schon am Kai oder bereust Du weiterhin? Nyhavn: Statt der vermuteten 55 Kronen und dem damit verbundenen warmen Essen fand ich nur zirka 38 im Portmonnaie. Was noch Restbestände von vergangenen Urlauben war.

Man kommt sich vor wie ein Penner. Aber für ein mittleres Soft Is beim Vaffelbageren reicht es noch. Sitze am Wasser. Gerade fällt ein Fahrrad um. Alles schaut.

Ich bin zu Fuß unterwegs. Russel ist abgestellt. Ich will mein Knie nicht überstrapazieren, das eine Schleimbeutelreizung hinter sich hat und seit Wochen dabei ist, wieder abzuschwellen.

Und das habe ich mir durch Treten auf einem Fitnessrad geholt. Eine Woche mit Schmerzen und nicht laufen können brauche ich nicht nochmal. Deshalb bin ich fußläufig unterwegs.

Die Sonne kommt nach 2 Stunden wieder hervor. Langsam taue ich auf. 16:20. Nyhavn ist voll und so auch einige der Gäste. Freitag Nachmittag.

Die Dosensammler umschwirren einen wie Fliegen den Scheißhaufen. Leider habe ich nur welche ohne Pfand von der Fähre.

Der Akkordeonmann irgendwo spielt argentinische Weisen. Und der Lautlach-Wettbewerb ist in vollem Gange. Es steht unentschieden.



Nyhavn am späten Abend Der Akkordeonmann ist 3 Leute. Hatte gar keine Ahnung, daß "Somewhere over the rainbow" so viele Strophen hat. Und zu allem Übel stehen sie jetzt genau hinter mir. Bin versucht, ihnen meine letzte Krone zu geben, damit sie gehen. Und grad als ich leise sagte "Go away!" gingen sie tatsächlich. Wäre ich nur früher auf die Idee gekommen. Ich hasse Straßen- und U-Bahn-Musiker, die mich ungefragt zuplärren.

Und so ein Christiania-Transport-Fahrrad eignet sich auch hervorragend zum Transport eines MacBooks, eines Mischpults, Verstärker und Boxen und damit cruist man dann durch die Fußgängerzone und beschallt alle, ob sie es hören wollen oder nicht. Ich wollte es jedenfalls nicht.



Nächstes Ziel: Malmö. Zur Einstimmung wurde schon mal am Kongens Nytorv ein Schaucontainer aufgestellt Ein Tross ESC-Markierter kommt mir entgegen. An diesem Wochenende geht es ja los bis zum nächsten. Da ist dann das Finale. Die Veranstaltungshalle konnte ich bereits von der kleinen Meerfrau aus sehen.

Ich hatte mir noch beim Kongens Nytorv etwas Geld geholt, das gleich in 2 Hot Dogs umgesetzt wurde, aber Hunger hatte ich immer noch.

Ein zweites Eis beim Waffelbäcker und abschließend 2 Cheeseburger bei McDoof. Auch wenn sie Englisch mit mir reden, ich werde es weiterhin versuchen, in Landessprache zu bestellen.

Das nervige an einer begeisterungsfähigen Dänin ist, daß sie 40x in der Minute ihr "jääää" erklingen läßt.



#HappyWall am Kongens Nytorv #HappyWall am Kongens Nytorv Am Kongens Nytorv wird böse gebaut. Ich habe irgendwie das dumpfe Gefühl, daß dort schon vor 5 Jahren gebaut wurde.

Man hat dort die #HappyWall hingestellt. Eine Wand mit schwarzem Hintergrund und farbigen Holztafeln mit schwarzer Rückseite, die man mithilfe eines Scharniers umklappen und so "Botschaften" an die anderen übermitteln kann. Ich finde die Idee einfach nur klasse, bin aber selbst grad nicht kreativ genug und will den anderen dort nicht hineinpfuschen.

Sowas wünschte ich mir in Hamburg auf einem belebten Platz. Das ist ganz einfach zu machen und die Begeisterung der Leute ist super, wenn sie ihr Werk betrachten. Wobei erst aus einigen Metern Entfernung zu sehen ist, ob man wirklich gut gearbeitet hat.



Kurz vor 23:00 bin ich am Auto. Ich bin totmüde und schlafe ganz schnell ein.


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