Mi, 14.5.2014 • Tag 13: Rättvik  ➟  Røros


Bergfest. Und seit heute begleitet mich ein großer Karton Knäckebrot. Ich war noch mal bei Leksands Knäcke im Fabrikverkauf. Dort holte ich mir für 160:- 3,5 Kilo Vika Bröd. Sehr lecker und wohl auch die teuerste Variante. In dem Karton befinden sich wie gesagt 3,5 Kilo runde Knäckebrot-Scheiben, nicht in Paketen verpackt, sondern einzeln. Unverpackt, wie ich nach dem Kauf bei einem schnellen Blick in den Karton feststellte.

Dann gab es noch 3 Pakete Meersalz-Knäcke, das es gestern aber nicht zu kaufen gab. Höchstens als 1,4-Kilo-Paket mit Bruchstücken. Quasi zum knäbbern.. äh.. knabbern. Gerade packt ein Ehepaar 3 große und 2 kleine Kartons ins Auto. Plus das Julknäcke, von dem ich inzwischen auch das 3. geschenkt bekommen habe.

Vorher gab ich mir jedoch noch "die Kurve". Es ist unbeschreiblich. Jetzt geht es gleich auf den Weg nach Dombås in Norwegen. 9 Stunden soll das dauern. Die werde ich heute bestimmt nicht fahren. Apropos fahren: Was hier für alte Amikisten rumfahren. Nicht schlecht.



Vor Mora schon, aber noch deutlicher dahinter, merkt man, daß man langsam in Gebiete kommt, die nicht mehr so stark bewohnt sind. In Mora habe ich früher gerne mal an einem Gewässer geparkt, dessen Wasser stark rötlich bis dunkelbraun gefärbt war. Aber heute konnte ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wo das gewesen sein könnte. Es müßte der Siljan gewesen sein, der bis hierhin reicht.

Ich fahre jetzt auf der Route 70 Richtung norwegische Grenze. Gestern war Bergfest. Nicht heute. Dafür erreiche ich heute den geographisch höchsten Punkt der Tour. Es geht durch Landstriche, die kaum bewohnt scheinen. Vereinzelt mal eine Hütte.

Am Spjutmo-See gab es eine Raststätte, von der man aus einen großartigen Blick über den See hatte und die schneebedeckten Berge. Die Landschaft ist erstklassig, absolutes Erlebnis. Seen, Wälder, einzelne Häuser, strahlender Sonnenschein. Macht Laune, hier zu fahren. Kaum was los auf der Straße. Außer mal so ein Trottel, der dich überholt und einen Kilometer später rechts abbiegt.



Und da war es grad wieder. Dieses Gefühl man fährt quasi durch den Arsch der Heide und dann geht rechts ´ne Straße weg und da biegt einer ab und du denkst nur so "Oh, mein Gott! Dieser arme Mensch. Der muß da wohnen." Aber die Frage ist, ist dieser Mensch arm dran, muß er da wirklich wohnen oder will der vielleicht da einfach auch wohnen? Freiwillig.

Ich bin eben durch einen Ort namens Älvdalen gekommen, wo ich mich selbst fragte "Würde ich hier wohnen wollen?" Und ich dachte "Ja!" Wenn man einen Job hat und alles ist gut und du hast dein soziales Leben hier. Und du hast Fernsehen und Telefon und Internet und allen Creature Comfort, den man haben kann, dann kann das ein ganz vernünftiges Leben sein. Und die Natur um dich rum ist einfach mal Wahnsinn. Und da ist dann sicherlich auch mal ´ne Bootsfahrt auf´m See dabei oder mit dem Kanu auf dem Fluß.

Ich bin kein Angler, aber man könnte es durchaus mal ausprobieren. Und auch die Supermärkte haben in den kleinen Orten teilweise jeden Tag geöffnet. Von z.B. 9-19 oder sogar länger, bzw. früher. Du bist also nicht auf den kleinen Krauter angewiesen, der dann am Mittwoch Nachmittag mal zumacht. Und in Älvdalen eben gab es wenigstens 2 Frisöre. Als Beispiel.

Da ist schon Leben. Es ist vielleicht ein anderes Leben. Das man dann mögen muß oder gar nicht anders kennt. Ich bin kein geborener Großstädter, aber nach 16 Jahren hat man sich dran gewöhnt, mal eben hierhin zu gehen, mal dorthin, wenn man etwas braucht. Und hier ist es vielleicht manchmal etwas schwierig, wenn es ganz abgelegen ist. Wo bekommt man seinen neuen Fernseher her? Versandhandel? Gut, wenn man sein Auskommen hat, kann man wohnen wo man will.



Am Straßenrand, wo die Sonne nicht so richtig hinkommt, liegt noch Schnee.



Ich kam vorhin in Blyberget an einem Sägewerk vorbei. Da lagen so viele Stämme, da haben ganze Wälder gelagert. Jetzt raste ich am Åsens Kraftverk an einem Stausee. Und gerade fährt ein Auto mit Anhänger an mir vorbei, von dem ich glaube, daß ich es in Leksand an der Knäckebrotfabrik gesehen habe. Haben die zwei Insassen sich den Anhänger vollgepackt, damit es sich lohnt und den langen Weg hierher gemacht?



Bussgods-Bus Transportbus von Fjord1 in Norwegen, ähnlich dem Bussgods-Bus © GoogleMaps Eben überholte mich der Bussgods-Bus. Ich habe ihn passieren lassen, da ich keine Lust habe, den die ganze Zeit im Nacken zu haben.

Die LKW interessieren sich auch nicht für´s Tempolimit. Der Bus scheint dann doch etwas weiter in den Norden zu fahren als ich vermutet hatte.



Hinter Särna habe ich meinen ersten Fuchs in freier Wildbahn gesehen, was ja auch nicht wundert, da er sich hier in der Gegend bestimmt mit der Gans gute Nacht sagt.

In Särna ist der Bussgods-Buss auf den Hof eines Coop Konsum abgebogen, weshalb ich kein Foto mehr machen konnte. Sonst hätte ich hinterher gemußt.

Neben dem Konsum befindet sich die Post und hier gibt es anscheinend auch eine Haltestelle für den Bus auf der Rückseite des Gebäudes.

Das Gute an Särna ist, daß die Straße, die hineinführt, auf der anderen Seite auch wieder hinausführt. Ich fand es ziemlich deprimierend. Gut, wem es dort nicht gefällt, kann ja wegziehen.

Ansonsten Landschaft, auf einer schier endlosen Straße, die sich zwar windet, aber auf der man gut 90 km/t fahren kann, wenn nicht gerade ein kleines Kaff kommt, wo man wieder auf 70 oder 60 runter muß. Man fährt durch den Wald, hat Ausblick auf Hügel und Berge im Hintergrund, die mit Schnee bedeckt sind. Landschaftlich einmalig.

Hier wohnen? Särna gleicht für mich eher einer Strafversetzung. Wenn einer zu dir sagt "Wir schicken dich nach Särna" dann weißt du, der hat wirklich etwas gegen dich.



Blick auf Idre In Idre findet sich ein Geschäft, sieht aber zu aus, namens Samegården. Also der Hof der Samen. Nicht der Samen, an die jetzt so mancher denkt, sondern einer wo man Rentierfleisch kaufen kann.

Das steht da auch auf einem Schild in Schwedisch und in Englisch. Nur hat man beim englischen "Reindeermeet" statt Reindeermeat geschrieben.

Es sei denn es geht wirklich darum, ein Rentier zu meeten, also zu treffen.

Und das Problem ist auch, daß in diesen kleinen Dörfern das Leben doch nicht so schlecht zu sein scheint. Schließlich hat mich noch keine Schwedin darum angefleht, sie nur irgendwohin mitzunehmen. Egal wohin, nur weg. Und ich habe dort schon so manche ansehnliche Schwedin gesehen.



Ich bin jetzt in Norwegen. Man fährt auf die Grenze zu, es gibt ein Schild mit dem Hinweis "Grenze Norwegen 4 Km". Und dann kommt man dahin, dann steht da ein Stein und man ist drüben. Vorhin mal wieder die Kraniche auf den Feldern in Schweden gesehen und eben grad einen Hasen mit schwarzem, bzw. dunklem Fell und weißen Beinen und Unterseite. Vielleicht ein Polarhase, der im Fellwechsel ist?



Ich habe "Das große Nichts" gefunden. Ich fahre gerade hindurch. Wenn man jemandem, der noch nie in Norwegen war und noch nicht allzuviele Bilder gesehen hat, von der tollen Natur vorschwärmt und nimmt den oder die dann mit hierher in diese Gegend, wird man sich die Frage gefallen lassen müssen, wo denn jetzt diese grandiose Natur sei.

Man fährt auf einer Straße, die sich schlängelt und wendet, hundert Kilometer, um überhaupt mal einen größeren Ort zu haben. Der Rest sind pupsige Ansiedlungen. Teilweise ist im Navi ein Name angegeben und wenn man dort dann längsfährt, steht da ein verlassenes Haus oder ein Gehöft mit ein paar Gebäuden und 3 Briefkästen. Oder wie eben nur das Stahlgerüst einer Halle. Das ist es und dann fährt man wieder 20 Kilometer durchs Nichts. Die Landschaft drumherum, die ist schon eindrucksvoll. Man fährt hier wahrscheinlich schon durch Ausläufer des Dovrefjell. Bewachsene Hügel mit Schnee obendrauf.

Es ist schon nicht schlecht, aber wenn man hundert Kilometer diese Straße mit Birkenbewuchs oder sonstigen teilweise vertrockneten, grauen Bäumen entlangfährt und es ist etwas bedeckt, man erahnt, daß die Sonne da ist irgendwo hinter den Wolken, man sieht kein Grün, dafür Seen und Flüsse, die im Navi blau dargestellt werden, die ich aber nur als weißes Irgendwas sehe, das macht die Sache auch nicht reizvoller. Vorhin gab es mal einen See, da waren am Ufer ungefähr 3 oder 5 Meter aufgetaut, ansonsten war dieser See eine einzige weiße Fläche.



Ich habe mich zu einer kleinen Routenänderung entschlossen. All die ganzen Jahre vorher hatte ich Røros auf dem Schirm, noch 100 Km entfernt, und mein Knotenpunkt, den ich als Ende der heutigen Route gesetzt habe, war Dombås, was aber noch dreihundertundsonstwas Kilometer wären.

Zum einen habe ich keine Lust mehr, da heute noch hinzufahren, da wäre ich dann abends um 8 oder um 9 gewesen, zum anderen würde ich die Strecke mit der Menge Diesel im Tank wohl nicht mehr schaffen. Ich habe hier auf der Strecke 2 Tankstellen gesehen. Genauer gesagt Zapfsäulen. Einfach nur Zapfsäulen, mehr nicht. Bei der einen gab es nur 95 Oktan Bleifrei, und ein Stück weiter gab es dann 2 Säulen, an denen man - meine ich - mit Karte bezahlen konnte. Ich bin mir aber nicht sicher. Vor allem nicht, ob die meine Karte annehmen.

Und ich habe noch nicht ausreichend norwegische Kronen, um das Auto voll zu tanken. Weshalb ich mich entschlossen habe, nach Røros zu fahren. Das ich auf meinen bisherigen Touren immer ausgelassen habe, da es immer so lag, daß ich da nur mit Umweg fahren hinkam. Sternchen

Aber ich nehme jetzt diesen Umweg. Damit kann ich es quasi abhaken und von meiner Liste streichen von wegen da war ich auch schon mal und ich erhoffe mir, daß es dort einen Bankomaten und eine Tankstelle mit Kartenzahlung gibt. Ich habe mal an einer Mautstelle kurz hinter der norwegischen Grenze mit schwedischen Kronen bezahlen können. Aber 100 Km im Landesinneren dürfte das nicht mehr funktionieren. Sternchen Sternchen



Røros habe ich mir ein wenig netter vorgestellt. Eine alte Holzstadt. Aber irgendwie nicht gerade gemütlich, einladend und schnuckelig wie ich es immer gedacht habe. Man hat hier den komischen Brauch, daß junge Mädchen auf allen Vieren die Straße herunter kriechen. Wahrscheinlich ein Ritual.

Auch hier tragen sie diese roten Hosen und ich vermute ja immer, daß jene Hosen angezogen werden nachdem man die Schule beendet hat. In Stockholm ist man ja in grün unterwegs. Und als ich die Jugendlichen danach fragte faselte der eine etwas von einer Mission. Was immer das auch für eine sein mag. Sich den Schädel mit Alkohol wegballern?

Ansonsten steigt man in rote Fahrzeuge, gerne genommen VW-Bus oder Ami-Van. Mit Lautsprechern oben drauf oder ohne, aber an der Seite immer die Namen der Insassen. An einem stand noch der Dank an die Eltern und an einem VW-Bus stand anscheinend das Motto "Starbutts".

Es ist nicht gerade warm in der Stadt. Und parkplatztechnisch auch nicht sooo ideal. Es gibt einen größeren Platz in der Nähe des Bahnhofes, aber da darf man nachts nicht stehen. In der Straße neben dem Domus-Einkaufszentrum kann man aber parken und das tue ich auch. Ich hatte erst einen Platz auf der Straße, wo die Mädchen am Kriechen waren, im Visier, der neben der Kirche lag, aber das Gefälle war auch nicht von schlechten Eltern. Zur Not hätte ich den genommen.

Nach meinem Spaziergang mit Stellplatzsuche nutze ich noch das WLAN aus dem EKZ und dann geht´s ins Bett.



Sternchen Ich stellte später fest, daß es wenige Kilometer hinter der Grenze eine richtige Tankstelle auf der linken Seite gab. Warum auch immer ich diese nicht angesteuert habe. Ich weiß es nicht.

Sternchen Sternchen Eigentlich war es kein großer Umweg, weil die kürzeste Route nach Dombås ohnehin auf der Route 26 grob in Richtung Røros führte und dann 30 Kilometer vorher nach links wegging. So fuhr ich auf der nördlicheren Route 28 quasi parallel zur 26 und insgesamt waren es wohl 50 Kilometer mehr als ursprünglich geplant.


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