Do, 15.5.2014 • Tag 14: Røros  ➟  Valldal


Blick am Morgen durch die Windschutzscheibe Blick am Morgen auf´s Termometer Der Pinguin ist wieder da und er hat Verstärkung mitgebracht. Das Thermometer hinten zeigt 1,3° an.

Vorne -1°. Die Scheiben haben Raureif. Innen.

6:45 werde ich wach. 7:06 tanke ich bei ESSO. Auf nach Dombås. Zum Frühstück lutsche ich Fruchtgummi und Lakritz weil die Butter noch zu hart gefroren ist.



Ich bin grad unfaßbar genervt und das kann auch die aktuell nette Landschaft nicht rausreißen.

Dafür, daß das Land ständig damit rumtönt, wie wohlhabend man sei und jeder Bürger im Prinzip aus einem Staatsfond über 120.000 € bekommen könnte, ist der Laden teilweise in einem ziemlich miserablem Zustand.

Klar kann man nicht im hintersten Winkel die Straßen in perfektem Zustand halten, aber man wird dauernd durchgeschüttelt, fällt von einem tiefen Loch ins nächste und in ganz vielen Orten gibt es "Fartdempere", diese Erhöhungshubbel zur Geschwindigkeitsreduzierung, und erhöhte Fußgängerüberwege, wo man ständig abbremsen und rüberrumpeln muß. Und in Røros hat man nicht mal die Farbe, um so einen Hubbel zu markieren und ich bin voll drübergebrettert.



Das Thermometer zeigt 29° an. Das ist aber nicht die Temperatur im Auto sondern meine Körperkerntemperatur. Ich werde nie wieder auftauen. In Tolga scheint man am Berg drei Sprungschanzen zu bauen, konnte ich aber nicht richtig sehen.



Ich komme an einem merkwürdigen Unfall vorbei. Die Polizei ist da. Ein ziemlich zerdellter VW Polo, der aussieht als könnte er sich überschlagen haben, steht auf allen Vieren im Kiesbett (hätte man bei der Formel1 gesagt). Ein Geröllfeld unterhalb einer Felswand. Es sieht aber nicht aus, als wäre Geröll heruntergekommen und auf dem Wagen gelandet. Zumal bis zur Steinwand noch 20 Meter Platz war.

Und wenn es auf die Straße gefallen wäre, hätte da ja was rumliegen müssen. Vielleicht ja von der Straße abgekommen oder den Bogen der Straße nicht gefahren und wie in der Formel1 durchs Kiesbett. Nur daß hier die Kiesbetten etwas grobkieseliger sind. Und eben kam mir grad der Abschlepper entgegen.



Hinter Oppdal ist es ganz schön windig auf der E6. Allerdings schon eine ganz schöne Aussicht. Nur die Wolken hängen wie eine Art Deckel auf den Bergspitzen. Heftiges Schneegrieseln und übler Seitenwind. Mich hat es ganz schön durchgeschüttelt und einmal kam ich der Leitplanke bedrohlich nah.

Der Schneefiesel, der mir direkt entgegenkommt, wird aber interessanterweise aerodynamisch so über mein Auto gelenkt, daß ich nicht einmal die Scheibenwischer einschalten muß.

Was man hier auch macht ist, daß man in einer 90er-Zone (die erste, die ich in Norwegen erlebe, sonst ist es immer maximal 80 km/h) auf der Gegenseite bergab in einer Linkskurve eine wandernde Baustelle einrichtet. Vorne ein LKW mit Ladefläche, dahinter ein kleiner Bagger und am Ende ein Sicherungsfahrzeug, das den Verkehr auf ihrer Spur warnt. Aber nicht auf meiner.

Mich warnt überhaupt keiner. Ich sah nur, daß mir da Scheinwerfer entgegenkommen und habe stark abgebremst. Ein Glück, denn die Scheinwerfer mit dem dazugehörigen Auto fuhren bereits neben den Baufahrzeugen auf meiner Spur. Ich hab es vorbeiziehen lassen. Man könnte aber auch mal mich warnen, daß da was ist und mir möglicherweise auf meiner Spur mal ein Auto entgegenkommen kann.

Gestern ja genau das gleiche als der Mokel mit dem Kaltasphalt zugange war. Da warnt auch keiner, daß jetzt eine Baustelle ist und du gleich in eine Ladung frisch verteilten Rollsplit fährst.



In Dombås enterte ich ersteinmal den Coop Mega in der Hoffnung, daß es dort eine Abteilung mit warmem Essen gibt. Und die gibt es da. Zwar mit Bedienung, aber ich konnte dem Menschen hinter dem Tresen mit Händen und Füßen klarmachen, was ich wollte. Und am Ende hatte ich eine Schale leckere Suppe und zwei Hühnerbeine. Ich weiß nicht, was das für eine Suppe war, aber es war viel Hühnchenfleisch drin, sie war leicht scharf, sie war gelb, sie war heiß und wärmte von innen.

Auf der E6 bin ich wie erwähnt durch heftiges Schneegrieseln gefahren, aber ich denke, die Pässe und Strassen werden nicht geschlossen. Dafür reichte es nicht und es hat schon wieder aufgehört.



Die Suppe kam zur richtigen Zeit und hat mich wieder lebendig gemacht. Danach ging´s wieder ein bißchen aufwärts. Mit der Lust, mit der Agilität, der Wachheit und der Körperkerntemperatur. Ich sage mal man kocht selbst im Coop Mega, denn da laufen Leute in Kochkleidung umher und eine stellte einen großen Kochtopf auf die eine der zwei Kochplatten neben der Theke.



Kyllingbrua von der E136 aus Kyllingsbrua. Die Eisenbahnbrücke über den Fluß Rauma an der E136. Ich weiß nicht, jedes Mal denke ich, was für ein geiles Ziel, wenn man dort vorbeikommt, dort hinzufahren, anzuhalten und Fotos zu machen.

Und jedes Mal stehst du an dieser Brücke und denkst "Ja, pff, ist ´ne Brücke". Ich war auch heute wieder da. Und erneut hatte ich sie auf der falschen Straßenseite vermutet. Dadurch, daß sie auf dem Weg liegt ist es okay. Aber ich glaube, beim nächsten Mal würde ich dran vorbeifahren.




Aussichtsplattform oberhalb des Trollstigen Trollstigen (von oben) Trollstigen (von oben) Hinterm Trollstigen gibt es ein neues Besucherzentrum, wo man Souveniers kaufen kann. Natürlich nicht jetzt, ist ja noch keine Saison, das ist ja noch Wochen hin. Hey, der Schnee ist noch nicht ganz weggetaut, da macht doch der Norweger noch nicht den Verkaufsladen auf.

Egal, ich wollte eh keinen Handwerksklimbim kaufen. Aber man hat hier an den Berg einen Betonpfad mit Geländer gebaut, an dem es verschiedene Aussichtsplattformen gibt, von denen man aus einen geilen Blick ins Tal hat und auch auf den Trollstigen, den man kurz zuvor mühevoll bezwungen hat.

Es ist immer wieder ein Erlebnis. Ich glaube ich bin zum dritten Mal hoch und ein Mal war er gesperrt. Da hatte es einen Geröllsturz auf eine der Kehren gegeben.Sternchen

Es hätte nicht regnen brauchen, dann wäre es perfekt, aber auch mit Niesel hat es sehr viel Spaß gemacht.

Der Wind hier oben ist wahnsinnig heftig, die Karre schwankt wie Onkel Klaus mit 4 Promille.



Es ist 18:00. Ich bin in Valldal und habe beschlossen, hier zu bleiben. Für die Nacht. Ich sah das Schild zur Fähre Geiranger, die natürlich erst im Juni fährt. Mein Navi zeigte schon die ganze Zeit eine Route an, in der es keine Fähre gab auf diesem Teil der Strecke. Ich war ziemlich aufgebracht darüber, daß wie üblich in diesem Land alles erst immer nach Mai beginnt.

Bis mir auffiel, daß ich diese Fähre gar nicht nehmen wollte, sondern die ein Stück weiter nach Eidsdal, die mein Navi ebenfalls nicht wollte, sondern die über Hellesylt.

Aggressiv nagte ich an meinen Hühnerbeinresten von heute Mittag und überlegte, zumindest zu der Fähre zu fahren, um zu sehen, ob sie überhaupt fährt. Aber so, wie ich wegen der nicht fahrenden Fähre von hier (die ich überhaupt nicht wollte, also warum rege ich mich auf?) drauf war, war es besser, morgen hinzufahren.

Wenn die Eidsdal-Fähre nicht verkehren sollte, muß ich einen Umweg nehmen und über Hellesylt fahren. Was im Zweifel teurer ist. Ich fuhr letztes Mal extra über Hellesylt mit der Fähre nach Geiranger, um gleich eine Fjordfahrt mit drin zu haben. Um dann hinter Geiranger umzudrehen, weil dort gesperrt war. Da durfte ich nochmal 230 NOK zahlen und wieder nach Hellesylt schippern. Das sollte diesmal anders sein, ich habe die Verkehrsmeldungen unter Vegvesen.no gecheckt. Da sieht es gut aus.




Sternchen Rechts oben im Bild ist die alte Kehre zu erkennen (die ich beim ersten mal noch fahren konnte) und die neu gebaute.


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