Fr, 16.5.2014 • Tag 15: Valldal  ➟  Olden


"Good Morning inse Morning!" wie ein Dschungelcampbewohner einst so intelligent bemerkte. Ich wache ohne Wecker Punkt 7:00 auf und es sind 14° im Auto. Herrlich! Ich bleibe im Bett. 8:30 gibt es Frühstück.

Vor dem Auto ist ein Grünstreifen, auf dem gestern Abend schon zwei Austernfischer nach Regenwürmern und anderem Getier suchten. Heute Morgen sind es zwei Möwen. Die eine hat sich grad einen Regenwurm reingezogen. Habe ich auch noch nie beobachtet, daß Möwen sowas machen und im Gras nach was zum futtern suchen. Und lustig ist, kommt ein Auto einen Meter entfernt an ihnen vorbei hauen sie nicht ab, geht aber ein Mensch fünf Meter an ihnen vorbei weichen sie lieber aus.



Um 9:15 komme ich zur Fähre nach Eidsdal und fahre direkt drauf, zahle 67 NOK und die Fähre legt danach sofort ab. Timing vom Feinsten.



Eine Schranke taucht auf vor den Ørnesvingen, dem Weg hinab nach Geiranger. Gesperrt von Woche 19 bis 20. Und wir haben KW20. Und jetzt? Erstmal weiterfahren, denn die Schranke war ja offen. Aber wie weit? Kommt noch eine? Und ist die dann zu?



Geirangerfjord Geirangerfjord aus Richtung Geiranger Geirangerfjord oberhalb von Geiranger. Links unten Fjordsenter. Rechts Ørnesvingen Schneefräse ´Peter´ aus deutscher Produktion am Fjordsenter Es riecht nach Bremse als Bruce und ich unten in Geiranger parken. Alles gut. Der Weg hat es in sich, so richtig genießen konnte ich ihn nicht. Erstens fahre ich Serpentinen lieber hoch und zweitens die Ungewißheit wegen einer möglichen Sperrung.

In Geiranger ist es ruhig und ich mache Fotos. WLAN gibt es auch keines. Und wenn, dann funktioniert es trotzdem nicht. Wird wahrscheinlich erst um 11:00 funktionieren. Bis dahin haben nur ein paar Souvenir-Läden schon auf. Der Rest kommt nach und nach.

Irgendwann kommt die Hellesylt-Fähre. Ich gehe zum Anleger, erlebe einen Bus, der von der Fähre kommt und rechts ranfährt. Dann drei Frauen schnellen Schrittes, die unter dem Spott der anderen Businsassen zur Eile angetrieben werden, in den Bus zu steigen. Solche hat man irgendwie immer mit dabei.

Dann mache ich mich wieder auf und entdecke beim Rausfahren aus Geiranger einen dieser Gehsteige, wie ich es ja gestern schon am Trollstigen gesehen habe und wie man sie jetzt an vielen touristisch interessanten Stellen errichtet hat oder erst noch errichtet. So wie am neu errichteten Norsk Fjordsenter.

Wenn der Gehsteig oder Pfad (oder wie auch immer man die nennen will) fertig ist, wird das bestimmt großartig. Aber noch haben sie ja einen Monat Zeit. Ist ja erst Mitte Mai. Weiter oberhalb von Geiranger gibt es die Aussichtsplattformen. Hier halte ich immer für ein Foto.

Und ich frage mich, warum man eigentlich immer so ein riesen Bohei um Geiranger macht. Okay, der Fjord ist schön, der Weg dahin auch. Aber der Ort ist ein reiner Touri-Ort. Wo es zwar ein paar zivile Häuser gibt, aber der Rest ist doch rein auf Tourismus ausgelegt. Mit Souvenirshops, Kiosken, Bootstouren und so weiter.

Neuerdings scheint man eine "Seawalk" genannte schwimmfähige Landungsbrücke für die Kreuzfahrtschiffe zu haben. Früher wurden die Passagiere mit kleinen Booten von den Schiffen geholt.Sternchen

Der Ort hat eigentlich nichts besonderes. Als ich von oben auf den Fjord geschaut habe, da hat mir das durchaus ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Das muß ich schon sagen.

Wenn man das im Sommer sieht mit dem grün leuchtenden Wasser, da kriegt man das Grinsen überhaupt nicht mehr aus der Visage. Die Landschaft ist super.

Aber Geiranger? Würde man ihn von der Landkarte streichen, es wäre kein Verlust. Der Weg hin und wieder raus, sowie der Fjord. Das würde reichen.

Bei einem meiner früheren Besuchen bin ich am Sunnylvfjord entlang gefahren, von dem der Geirangerfjord abgeht. Hellesylt liegt am einen Ende des Sunnylvfjordes. Von der Straße da oben hat man einen super Ausblick auf den Fjord. Die Sonne scheint, du kommst aus dem Tunnel. Bämm! Dieses flaschengrüne Wasser. Abgefahren.



Blaues Eis auf dem Djupvatn Am Fjord Am Fjord auf dem Weg zum Briksdalsbreen Ich schraube mich auf der Fv63 die Serpentinen rauf und wieder runter. Und stoße irgendwann auf die Rv15, die ich auch schon durch diverse Besuche hier kenne.

Allerdings fehlte mir auf der Fv63 irgendwie die Abfahrt zur Dalsnibba, auf die man sich mit dem Auto raufarbeitet und dann von sehr weit oben herunterschaut. Wenn das Wetter das mitmacht. Sonst sieht man eher nix.

Leider ist mein sinnloser Skandinavienatlas nicht so gut, als daß man erkennen könnte, wo da eine Abfahrt von der Fv63 abgeht.

Das bescheuerte Navigon kennt eh nur 20% der interessanten Punkte und warum ich mir mühsam die Norwegenkarte für die Skobbler-App runtergezogen habe, ich aber für die Suche ständig die mobilen Daten eingeschaltet haben muß, sonst findet der Klump nichts, frage ich mich auch. Und natürlich findet die App Dalsnibba nicht.

Ich fuhr zur Djupvasshytta zurück, wo ich vorher schon Fotos geschossen hatte, und wo einige Männer am arbeiten waren, um die Hütte für den Sommer in einem Monat klar zu machen.

Ich fragte nach der Dalsnibba und der eine meinte, das wäre die Straße, die hier abgeht, die wäre aber gesperrt. Ich könnte das ja checken.

Auf dem Hinweg hatte ich die Abzweigung schon gesehen, wäre aber nicht drauf gekommen, daß das die Straße zur Dalsnibba war. Es gab ja auch keine Schilder. Aber ich entdeckte die Pfosten für die Schilder. Man hatte sie noch nicht wieder angebracht. Wohl erst, wenn wieder alles frei ist.

An der Djupvasshytta war 2009 für mich Schluß und ich mußte wieder nach Geiranger zurück und mit der Fähre nach Hellesylt fahren, um weiterzukommen. Irgendwie hatte ich auch die Abzweigung weiter Richtung Rv15 vermutet.

Wo es vorhin Schneefieselverwirbelungen gab wie bei einem Sandsturm und auch jetzt, wo ich wieder dort hinfahre, zieht durch das Tal, durch das die Fv63 am Wasser entlang führt, eine dicke weiße Wolke. Ich hoffe nicht, daß ich hier gleich in einem Whiteout stecke.

Das Gewässer neben der Straße ist mit Eis und Schnee bedeckt und leuchtet stellenweise blau. So wie das Wasser an der Djupvasshytta. Was man sehr gut mit der Sonnenbrille sehen kann.

Bei einer Pinkelpause habe ich meine Initialen nicht in den Schnee gepinkelt, sondern in die Schneewand an der Straße geritzt. Allerdings haben die bedrohlichen Geräusche um mich rum, die von irgendwelchem herabfallenden Geröll stammten, mich dazu veranlaßt, relativ zügig wieder in mein Auto zu steigen und wegzufahren.



Ich mache mir ein wenig Sorgen über die Höhe der Tunnel zum Briksdalsbreen. Beim letzten Mal war mein Auto 80cm niedriger. Eigentlich müßte es passen.

Ich bin in Olden und suche die Ausschilderung zum Gletscher. Immerhin stehen hier schon die Shuttle-Busse, die die Sightseeing-Touristen zum Gletscher hinbringen. Noch sind sie eingemottet. Die Busse, nicht die Touristen. Das ist das gute an dieser Zeit jetzt. Es sind noch nicht viele Touristen unterwegs. Mir kamen heute mal einige deutsche Wohnmobile entgegen. Ansonsten wenig Touristen. Das wird aber in einem Monat ganz anders sein.

Dann geht es links ab zum Gletscher. Das werden anstrengende und erlebnisreiche 24 Kilometer. Mit Straßen, so breit, daß ein Auto prima Platz hat, jedoch nicht zwei nebeneinander. Was die Einheimischen aber nicht davon abhält, wie die Wahnsinnigen Gas zu geben und um die Kurve zu schießen. Wahrscheinlich wollen sie einfach nur schnell weg und runter von der Straße.



Briksdalsbreen Briksdalsbreen Briksdalsbreen Am Briksdalsbreen Ich fahre auf den Parkplatz vom Melkevoll Bretun Camping. Auf meinem "Stammplatz" steht ein Schweizer. Suche mir einen anderen Platz. Einen mit Steckdose. Der eine Parkschein-Automat ist defekt, aber ein Zettel sagt mir, daß ich zur Rezeption gehen soll oder zum Automaten hinter der Resepsjon. Das Tages-Parkticket von 8-22 Uhr kostet 50 NOK. Über Nacht schlafen 110.

Der Automat hinter der Rezeption sagt mir, ich soll zur Rezeption, wenn ich schlafen will. Ich ziehe erstmal ein Daytime Ticket. An der Rezeption ist niemand. Alles dicht.

Aber die Türen zur Waschmaschine, Trockner, Küche und Sauna sind offen und was es noch alles gibt. Hmm, bis 22:00 kann ich hier jetzt stehen. Und dann? Lasse ich es drauf ankommen!

Ich mache mich auf zum Gletscher. 45 Minuten soll man dahin unterwegs sein. Der erste Teil hat es gleich gut in sich und es geht immer nur bergauf. Dann kommt ein Teil, wo man wieder etwas entspannter gehen kann. Und es ist gar nicht so anstrengend. Dann geht es wieder hoch und irgendwann ist er da.

Der Gletschersee. Vom Gletscher ist bei jedem meiner Besuche immer weniger da. Auf dem Hinweg habe ich einige aufgestellte Schilder gesehen, wo man markiert hat, wo achtzehnhundertschießmichtot die Zunge des Gletschers endete, wo 50 Jahre später.

2005 reichte das Eis noch bis weit in den See. Mit einer Art Dom. So eine Höhle, die blau schimmerte. Da hat man kein Stück Fels am Ende der Gletscherzunge gesehen.

Und heute? Viel Fels. Die Eiszunge reicht nicht mal mehr bis zum Wasser. Und von oben hört man Donnern und es bröckeln immer wieder Eisstücke ab. Am unteren Ende der Zunge sieht es nicht nach Eis aus, das sich den Berg runtergeschoben hat, sondern wie Eisbrocken, die einfach von oben runtergefallen sind. Der ganze Gletscher sieht total zerklüftet aus.

Ich habe Verfall gesehen. Nicht bei einem alten Menschen, das habe ich auch schon. Nein, bei einem Gletscher.

Ja, ich leide. Und ich bin sehr traurig. Dieser Gletscher bedeutet mir etwas. Ich habe hier beim ersten Besuch im Mai 2005 "Rodrigo, the crazy guy from Chile" getroffen, der in der Kafeteria und dem Shop der Briksdalsbre Fjellstove am Anfang des Weges zum Gletscher gearbeitet hat. Ich wollte schon abbrechen, weil der Weg zum Gletscher kein Ende nahm, und fragte ihn, als wir uns zufällig begegneten, ob er wüßte wie weit es noch ist. 20 Minuten. Er wolle eh dahin. Ich solle mitkommen.

Dann machten wir Fotos, tauschten Email-Adressen und im August 2005 war ich wieder dort, suchte ihn auf und erfuhr, daß die Festplatte schrott sei und die Fotos verloren. Weiß gar nicht, ob ich ihn 2006 getroffen hatte. Und 2009 steht er zufällig vor der Tür und wir sprechen kurz miteinander.

Und nach den ersten Besuchen sehe ich im Fernsehen Bilder vom Gletscher und heule wie ein Schloßhund, weil es sooo schööön ist. Und jedesmal wird er eben weniger, der Gletscher. Und auch dieses Mal gehe ich wieder schweren Herzens. Weiß ich, ob ich wiederkomme?

Der Aufstieg geht auf die Lunge, der Abstieg geht auf die Beine. Ich bin froh, als ich wieder am Auto bin. Ich werde hierbleiben, die Faszilitäten des Platzes nutzen und in Ruhe pennen, wie schon mehrfach zuvor.

Ich höre eine Stimme hinter mir, die "Hallo" sagt und daß sie von der Rezeption sei. Ob ich denn die Nacht hier schlafen wollte, fragt die Frau, der die Stimme gehört. Ich sage "eigentlich schon, ich habe ja jetzt ein Tages-Parkticket, also noch 60 Kronen drauf". Weil ja Pennen hier 110 NOK kostet. Eine Person? Ja! 140 NOK. Ein Auto 110 plus 30 für jede Person. Ich werde es mir überlegen, sage ich. Und steige ins Auto und fahre davon.

Mal ganz ehrlich. Um irgendwo zu stehen und zu schlafen gebe ich keine 140 Kronen aus. Jedes Extra muß man bezahlen. Leider meistens mit 2x 10-Kronenmünzen, die ich nicht habe. Ich hab nur eine 10 NOK-Münze, aber ausreichend 20er. Nur die kann ich hier anscheinend nicht einwerfen. Es gibt Duschen, Waschmaschinen,´ne Küche und haste nicht gesehen. Kostet aber alles extra.

Strom hätte ich bekommen. Aber wozu? Meinen Akku fürs kleine Videolicht, das mir als Schreibtischlampe dient, lade ich über den Zigarettenanzünder. Genau wie den Laptopakku, der vier Stunden hält und überhaupt habe ich noch einen Zweitakku dabei. Also wozu brauche ich Strom? Ich bin komplett autark.

Ich fahre nach Olden. Hier ist aber noch ein wenig was los. Vorbereitungen auf den Nasjonalfeiertag morgen. Ich stelle mich auf einen Rastplatz drei Kilometer entfernt. Fahre aber später wieder zurück nach Olden. Der Verkehr am Rastplatz war doch ein wenig laut und man stand dort ganz allein und zu sehen gab es auch nichts.

Auf dem Parkplatz der Briksdalsbre Fjellstove, wo man Kaffee essen und Kuchen trinken kann und Eis und Souveniers... wobei letztere besser nur kaufen.. stand ein Fahrzeug mit Böblinger Kennzeichen, das heute Morgen in Geiranger neben mir geparkt hat. Jetzt bin ich ja jemand, der sich Gesichter merken kann. Ich weiß nicht, ob die mich wiedererkannt haben. Ich glaube der eine von denen schon. Und neben denen stand ein Auto mit norwegischem Kennzeichen, das ich, glaube ich, heute Morgen ebenfalls gesehen habe und dessen Fahrer mir eben entgegenkamen.



Ich habe in Olden im Coop zwei Flaschen Apfel/Trauben-Brause gekauft. Sonderangebot. Plus Pfand. Macht 32,50 NOK. Die gute Frau an der Kassse faselt was von 33. Ich gebe ihr einen 50er-Schein und eine 50 Øre-Münze. Sie beharrte auf 33 Kronen. Wegen der Aufrundung? Ja. Es wurden 50 Øre aufgerundet...

Wozu gibt es dann 50 Øre-Münzen, wenn sie keiner will, oder habe ich da was verpaßt und die werden nicht mehr angenommen? Und überhaupt. Was verdient ein Norweger bitte, daß man hier solche Preise machen kann? 3 € für ´ne Tüte simpler Paprika-Chips. Da bekomme ich ja beim Edeka am Rothenbaum ´ne Tüte Edel-Chips aus England für.



Sternchen Ich erfuhr später, daß die Boote immer noch benutzt werden.


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