Mo, 19.5.2014 • Tag 18: Bergen  ➟  Flekkefjord


"Wenn der Berg nicht zur Straße kommt, kommt die Straße eben zum Berg"

- Norwegischer Verkehrsplaner, der einen Kreisverkehr mit 4 Ausfahrten plante, von der eine direkt vor einer Felswand endet, 2014


Es ist der neunzehnte. Montag.

Die Nacht war schon irgendwie anstrengend, dieses schräge Liegen. Es tut ziemlich viel weh. Mein Rücken auf jeden Fall. Mein linkes Knie ist ein bißchen am meckern. Ich hoffe, daß da nichts weiter passiert. Das erste Mal, daß es so richtig zwiebelt. Ein bißchen schwabbeln tut es doch. Ich hoffe, daß ich es heute mit dem Fahrtag, den ich haben werde, beruhigen kann.

Ansonsten geht es gleich Richtung Süden. Ich werde nicht zum Prekestolen fahren. Das schaffe ich heute auf keinen Fall. Nicht mit dem, was mir alles weh tut, und dem Knie. Das Wetter heute ist auch nicht so bombastisch. Hier zumindest ist es bewölkt.



Ich tu mich ja schwer damit, Autos "schön" zu finden, es gibt halt wenige, die mich optisch begeistern. Ich habe jetzt mehrfach den Tesla Modell S gesehen. Und ich muß sagen, der sieht schon gar nicht schlecht aus. Der würde mir auch gefallen, wenn er denn nicht so teuer wäre. Ich sehe hier sehr viele Elektroautos. Man hört sie ja nicht, man sieht sie nur. Sie haben in Norwegen ihr eigenes Kennzeichen beginnend mit "EL", was in Skandinavien meist für Strom steht. EL wie ELektrizität.

Und in Geiranger hat man es dann auf die Spitze getrieben mit Elektromotorrollern. Was ich eigentlich auch eine ganz witzige Geschichte finde, daß man sich auf so einen Roller hockt, den man dann nicht hören kann.

Allerdings läßt man hier ja mit Vorliebe das Auto ständig laufen. Und ich habe schon mehrfach Autos mit laufendem Motor vorm Supermarkt stehen sehen. Ohne, daß jemand drin saß. Das finde ich immer das Lustige. Dick einen auf Umweltschutz machen, aber dann die Karre ständig laufen lassen.

Gestern am Hafen in Bergen unten saß dann irgendso ´ne Trulle mit ihrem Typen in ihrem BMW 3er-Cabriolet, hat Eis gegessen während sie auf ihrem Mobiltelefon zugange war und ich glaube auch geraucht hat, die stand da die ganze Zeit mit laufendem Motor.

Wahrscheinlich hat man auch hier sehr schwache Batterien, die es nicht schaffen, das Autoradio eine halbe Stunde lang zu betreiben. Und das sind zwei Welten, die da so ganz merkwürdig aufeinanderstoßen.



Witzig, wenn ein Autohaus in Norwegen dranschreibt, daß es ein Importautogeschäft ist. Also keines ist, das Fahrzeuge aus der zahlreichen und vielfältigen norwegischen Auto-Produktion verkauft, wo sich die einheimischen Hersteller ja nur so tummeln.



Mein linker Fuß fühlt sich kalt an. Das kann vom Knie kommen. Ich vermute aber mal, daß die Belastung gestern zuviel war. Weil heute das Treten auf die Kupplung auch keinen Spaß macht. Weder beim Fuß noch beim Knie. Ich... naja.. hoffe mal das Beste.



Ich fuhr auf der E39 durch einen Tunnel, wo es permanent nur bergab ging. Und unten ein Schild. Und darauf stand 200 Meter unterm Meer. Gefühlt kommt das hin. Aber geht das rein rechnerisch? Ja, doch, kann hinkommen.Sternchen



So, ich bin gerade ziemlich durch. Würde gerne mal rechts ranfahren auf einen Rastplatz, wenn es denn einen gäbe.

Die Landschaft hier unten Richtung Stavanger sieht schon ganz schön anders aus als das, was man im Fjordland so hatte. Wo man eben sehr steile, abfallende Berge hat. Grünes Wasser. Fjorde halt. Das gibt es hier zum Teil auch, aber die Landschaft ist doch eher hügelig und mit mehr so schärenartigen Erhebungen.

Als würden aus der Wiese Steinkuppen herauswachsen. Sieht schon anders aus. Ich habe jetzt das Fjordland hinter mir gelassen und weiß nicht, wie man das hier nennt. Nun fehlt irgendwie nur noch ein Rastplatz.

Weil der Onki ist grad richtig durch. Das Knie... weiß ich auch nicht. Irgendwie.. Ich hoffe nicht, daß da irgendwas nachkommt. Ein bißchen mosert es oberhalb der Kniescheibe. Ich hätte mir beim letzten Mal aufschreiben sollen, wie die Symptome waren. Dann könnte ich es jetzt vergleichen.



3 Schwerter im Fels in Madla (Stavanger) Ich habe immer gesehen, daß ich ganz viele Münzen zurückbehalte. Weil ich ja wußte, daß man in Stavanger zum Beispiel in jedem Fall noch Maut bezahlen muß.

Und das Ding ist, daß man hier mittlerweile auf elektronisch umgestellt hat und man wird einfach irgendwann eine gesalzene Rechnung bekommen.

Ich find´s psychologisch auch ganz okay, weil man nicht einzeln jede Münze reinwerfen muß und jedesmal sagt "Und wieder 20 Kronen!". Beziehungsweise waren es früher auch mal weniger.

Von daher kriegt man irgendwann ´ne Rechnung und dann zahlt man die und dann ist das auch erledigt.

So, Schwerter im Fels.



Ich bin jetzt auf die RV44 abgebogen, einer speziell überwachten Strecke. Was immer das heißt. Ich habe keine Ahnung. Ich stelle mich mal auf 80 km/h ein.

Eine Abfahrt vorher soll es eine Station gegeben haben sollen tun, wo man sein Klo entleeren konnte. Da gibt es dann auch einen Pfeil und dann ist man da irgendwo und fragt sich "und wo ist das jetzt?" Das nervt, daß immer irgendwo was ausgeschildert wird, aber dann auch nie weiter und du hast keine Ahnung, wo du hin mußt.

Und was mir auch tierisch auf die Eier geht ist die Geschichte, daß man es nicht für nötig hält, zu blinken. Du stehst da Ewigkeiten, willst aus einer Ausfahrt, fährst aber nicht, weil da ja einer kommt. Der biegt aber plötzlich rechts ab. Du hättest schön rausfahren können. Geht jetzt aber nicht mehr und du wartest weiter, daß du aus dieser Ausfahrt rauskommst. Der, bei der man noch nicht mal die Entsorgungsstation gefunden hat.



Wenn man in Norwegen schlechte Laune hat dann sollte man ganz dringend mal einkaufen gehen. Dann bekommt man nämlich noch viieel schlechtere Laune. Bei den Preisen darf man eigentlich überhaupt nicht auf das Preisschild schauen. Eine simple Halbliterflasche Erdbeermilch kostet 2 Euro haumichtot, die Bridge-Mischung aus dem Outlet oder andere Dinge, die mich in Schweden 18 Kronen gekostet haben, kosten hier 64. Es ist unfaßbar. Für ´nen Liter Schokomilch bist du 3 Euro los.

Ich bin grad unheimlich genervt und ich weiß nicht mal warum. Ich humpel schon wieder ´n bißchen.



Ich habe mir ja oft vorgestellt, daß wenn man in einen Tunnel fährt, sieht es so aus wie in der Tagesschau, wenn man so Bilder sieht wie in den Salzstöcken, wo man Atommüll lagern will.

Und man sieht so diese Wagen in den Tunnel reinfahren, Beleuchtung nur durch die eigenen Scheinwerfer, so habe ich mir das oft vorgestellt. Ich habe keine Bedenken, in die Tunnel hineinzufahren, aber es gibt welche, die sind so eng und so schlecht beleuchtet, daß sie einfach mal keinen Spaß machen.

Ich kriege da jetzt keine Angst oder Beklemmungen. Bei dem Tunnel gerade wirkte es eben wirklich so als würde man in einen Salzstock fahren, weil er einfach nur kalkweiß war, trotzdem dunkel. Die einzige Lichtquelle war mein Abblendlicht. Manche Tunnel sind nicht so wirklich angenehm zu fahren.

Und plötzlich weiß ich wieder wo ich bin. Helleren. Eine alte Siedlung unter einem Felsvorsprung am Ende des Jøssingfjords. Beim letzten Mal hing da sogar noch Wäsche auf der Leine. Wäre ich gleich rechts abgebogen wäre ich auf den Schotterplatz gekommen, von dem aus man die 2 Häuser sehr gut sehen kann.

Jetzt mußte ich ein Stück weiter fahren und vor der Schranke an einem Fabrikgelände halten. Betreten verboten. Ich gehe da trotzdem hin. Ein portugiesisches Wohnmobil parkt auf dem Schotterplatz.

Niemand zu sehen. Die Fabrik ist aktiv, man hört Geräusche. Ein bißchen wie bei James Bond. Gleich öffnet sich das Tor im Fels und ein gepanzertes Fahrzeug kommt heraus und jagt mich, weil ich geheime Informationen fotografiert habe und man jetzt meine Kamera will. Ich mache mich wieder auf den Weg.



Meine Empfehlung ist, bei einer Tour durch Schweden und Norwegen mit Norwegen anzufangen und mit Schweden zu enden. Ganz einfach aus dem Grund, daß wenn man am Anfang der Tour noch bei 100% ist, machen einem in Norwegen die geschwungenen Straßen rauf und runter nicht so viel aus. Als wenn man diese Bergstrecken, wo man ständig am rauf- und runterschalten ist, nach einer Woche oder 10 Tagen relativ sanfter Straßen in Schweden fährt.

Dann lieber erst die anstrengenden Pisten in Norwegen und zum Abschluß ganz entspannt die nicht ganz so fordernden Straßen an Schwedens Ostküste. Selbst hier unten in der südlichsten Ausbeulung Norwegens ist es teils fürchterlich hügelig.

Das anstrengende an diesen Bergstrecken ist, daß die halt sehr eng sind. Und du fährst hoch und um die Kurve und hoffst jedes Mal, daß nicht irgendeiner kommt. Ein Zusammenstoß wäre natürlich auch nicht so lustig und ich habe ja schon erlebt wie die Norweger hier um die Kurve fahren. Beziehungsweise wenn dir hier ein LKW entgegenkommt. Der wird dich erstmal dazu bringen, 200 Meter rückwärts zu fahren in die Ausweichbucht. Der wird keinen Schritt zurücksetzen.

Also bist DU der Vollidiot. Zum Glück ist hier meist verkehrstechnisch so wenig los, so daß man auch zurücksetzen kann. Übel wird es, wenn hinter dir die Autos anfangen, sich zu stauen. Dann geht irgendwann gar nichts mehr. So viele Buchten wirst du dann nicht mehr finden. Und das ist eben sehr anstrengend.

Auf der Autobahn läßt du es rollen. Überholst ab und zu mal. Aber in den Bergen bist du ständig am schauen.SternchenSternchen



Aussicht aus der Schiebetür in Flekkefjord Der Tag endete in Flekkefjord, wo ich bei einer früheren Tour schon einmal genächtigt hatte. Erst parkte ich am "Brückenimbiß", von dem ich immer dachte, daß die Bilder im Kopf von diesem Imbiß von der 2010er-NL/B-Tour stammten. War aber wohl nicht so.

Da hier sehr viel Kommen und Gehen war, fuhr ich die Straße weiter runter und endete auf einem Parkplatz. Direkter Blick aufs Wasser. Besser ging es nicht.

Das Wetter war super, die Schiebetür offen, der Blick ging auf den Fjord hinaus. Leider hatte ich nichts, was ich grillen konnte. Abgesehen davon fand ich es auch wenig ratsam, auf dem Parkplatz grillen zu wollen. Ich wollte nicht so übertreiben wie die beiden holländischen Wohnmobile auf dem Parkplatz, die gleich die Liegestühle herausgeholt hatten.

Morgen früh um 8 muß ich entweder den Parkplatz verlassen oder bezahlen. Über Nacht darf man hier aber stehen. Das geht nicht überall in Flekkefjord, aber hier war es gestattet. Daumen hoch dafür.




Sternchen Es handelte sich dabei um den 7,888 Km langen Bømlafjordtunnel, dessen tiefster Punkt 262,5 Meter unter dem Meer liegt.

SternchenSternchen Vor allem ist man dann auch noch gewillt, die kleinen Inselchen an der Westküste Schwedens ansehen zu wollen, die man sonst auf dem Rückweg eher liegen läßt, weil man nach 3 Wochen nicht mehr die rechte Lust hat, da jetzt auch noch hinzufahren.


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