Di, 20.5.2014 • Tag 19: Flekkefjord  ➟  Arendal


"In meiner Wohnung wohne ich, in meinem Camper bin ich zuhause"

- Deutscher Freiheitscamper, 2014


Ich wollte eigentlich Stavanger auslassen, aber als ich dann die Route, bzw. die nächsten Ziele ins Navi eingab lotste es mich dann doch über Stavanger. Was auch sinnvoll war. Zwar hat man da 2 Fähren drin, die 217 und 158 NOK für mich gekostet haben, aber irgendwelche Juckelei über kleine Pisten neben der E39 wären sehr lang gewesen und hätten auch Fähren beinhaltet.

So bin ich dann noch nach Madla zu den Schwertern im Fels gefahren. Hab dort meine Fotos gemacht, Stavanger aber ausgelassen, weil es für mich eine eher uninteressante Stadt ist, wie ich bei meinem ersten Besuch feststellte. Meine Gehwerkzeuge haben ganz ordentlich geschmerzt bei der kleinen Kletterei zu den Schwertern.

Dann ging es an der Küste weiter. Ziemlich anstrengend über die RV44. Ich war froh als ich in Flekkefjord ankam. Von dort aus geht es jetzt weiter.



Nun ist mir auch klar weshalb hier 2 niederländische Wohnmobile rumstehen. Es gibt ja hier in Flekkefjord - und der ist jetzt ganz schlecht - das Holländerbyen. Und sie wollten sich sicherlich mal ankucken, wie ihre Vorfahren hier so gehaust haben.



Es sieht so aus als hätte ich einen kleinen Warnschuß vor den Bug oder besser gesagt vor´s Knie bekommen. Es ist ein bißchen geschwollen. Es ist noch nicht alles wieder toll. Auf jeden Fall sind die großen Schmerzen, die ich erwartet habe, ausgeblieben. Als hätte der gestrige, etwas schonenderere Tag, wo ich etwas weniger gelaufen bin, geholfen.

Natürlich ist das ständige Schalten und Kuppeln auch nicht so ideal, aber es hat geholfen, die ganze Geschichte etwas zu beruhigen. Das Knie ist in jedem Fall noch nicht dick, es tut nicht mehr so weh oder ist vielmehr nicht mehr empfindlich. Ich hatte gestern noch eine Diclo-Tablette genommen. Ich nehme heute noch eine profilaktisch.

Jedenfalls ist es im Moment akzeptabel und wenn es noch ein Stück besser wird dann kann ich Oslo in jedem Fall gut machen. Muß ich mich vielleicht ein wenig zurücknehmen, dann kann ich auch die ganze Tour gut zu Ende bringen. Was ja doch so ein Unsicherheitsfaktor war, der gestern vielleicht auch etwas auf die Laune gedrückt hat.



Nach Lindesnes fährt man entweder sportlich wie der Norweger mit 60 oder macht es so wie ich und eiert um die Kurven.



Lindesnes Fyr. Zwei Enttäuschungen. Für die eine kann keiner was. Es ist neblig und man kann eigentlich nicht wirklich viel sehen. Zweite Enttäuschung ist, daß die Leuchtturmtür abgeschlossen ist.

Ich habe schon erlebt, daß sie offen war und man hochgehen konnte. Allerdings seit dem Bau des Besuchercenters scheint der Leuchtturm außerhalb der Öffnungszeiten des selbigen geschlossen zu sein. Da kauft man sich dann bitte ein Ticket für. Das ist ja klar, so ein Besucherzentrum, das eigentlich keine Sau braucht, muß ja auch finanziert werden und das macht man dann wahrscheinlich darüber, daß man den Leuchtturm abschließt und Kohle nimmt.

Wenn man sich ein Ticket kaufen will, was man im Mai nicht jeden Tag kann, sondern nur von Donnerstag bis Sonntag, dann kostet es 70 NOK, also fröhliche 8,50 €, dafür ist dann aber auch der Kaffee inklusive.

Und ich denke dann so "hmm, ich scheiß auf den Kaffee und auch auf 70 Kronen Eintritt." Es ist immer so nach dem Motto und ich zitiere frei aus meiner Lieblingsfolge der Drei??? (#35 ..und der Höhlenmensch): "Man muß den Leuten ja auch etwas bieten für das Geld!" Und dann sage ich immer: "Dann bietet mir nichts, dann kostet es auch nichts." Oder zumindest nicht so viel.

Ich kann mir ja vorstellen, daß der Unterhalt des Leuchtturms Geld kostet. Der liegt hier draußen am Arsch der Heide. Die Frage ist inwieweit er noch für die Schiffahrt gebraucht wird. Es dreht sich in jedem Fall oben noch ein Licht. Das hatte es bei meinem letzten Besuch schon getan. Von daher könnte er für die Schiffahrt immer noch interessant sein. Dann wird er aber auch unterhalten aus öffentlichen Mitteln. Und wenn ich da mal hochlatschen möchte, dann sollen sie da eine Drehtür reinmachen, wo man 10 Kronen reinwirft und dann hoch kann. Und gut ist.

Aber 70 NOK, um auf den Turm raufzukommen und für Ausstellungen, die ich mir eh nicht ansehen würde, das brauche ich nicht.



Auf der Straße zum Leuchtturm, der RV460, gibt es in Spangereid eine BEST-Tankstelle mit einer Entsorgungsstation, wo man sein Klo auskippen kann. So möchte ich es mal nennen. Ich kann nicht genau sagen wie es funktioniert. Es scheint über Geld zu laufen. Bin mir da aber nicht sicher. Vielleicht wenn man Wasser haben möchte.

Ich könnte anhand der deutschen, englischen und norwegischen Beschreibungsfragmente, die die Witterungsbedingungen noch übriggelassen haben, versuchen, mir zusammenzureimen, wie es funktioniert. Aber ich sag mal so: da war ein Ausguß, da paßte alles rein und ich bin meinen Scheiß los.

Das müßte eigentlich das letzte Mal Klowechseln gewesen sein. Es hat jetzt eine Woche durchgehalten und es hat funktioniert. Nun werde ich es noch bis Sonntag durchziehen. Ich habe genügend Wasser dabei, deshalb war es kein Problem, daß aus der Entsorgungsstation kein Wasser kam.

Ich habe auch so einen Vierkantschlüssel dabei, um Wasserhähne öffnen zu können. Ich weiß nicht, ob mir der irgendwie weitergeholfen hätte oder eine Spitzzange, die es noch zu kaufen gilt. Vor mir hatte sich ein deutsches Wohnmobil mit Lippstädter Kennzeichen ebenfalls an der ausgeschilderten Station versucht. Was mich etwas nervte, weil das warten bedeutete. Aber der gute Mann hatte einen fest eingebauten Tank. Und er fuhr nach einer kurzen Unterhaltung wieder los.

Ich hatte vorher auf dem Weg zum Leuchtturm noch zwei spanische WoMos dort an der Entsorgungsstation gesehen. Ich kann meinen Lokus aus dem Auto nehmen. Manchmal ist weniger halt doch mehr. Ich bin sehr froh, daß ich bislang immer auf Stationen für die Entsorgung gestoßen bin, denn ansonsten ist es echt eine Scheißarbeit. Wobei ich meine, daß ich in Schweden mehr öffentlich zugängliche Stationen ("Tömning") gesehen habe, die oft einfach in ein Klohäuschen beim Rastplatz integriert waren. Während in Norwegen die Stationen gefühlt eher auf Campingplätzen zu finden sind. Ich früher aber auch schon einige entlang der Straßen benutzt habe.

Jetzt habe ich aber ehrlich gesagt wenig Bock drauf, zu irgendsoeinem Campingplatz hinzujuckeln und vorstellig zu werden und zu fragen, ob ich gegen Gebühr etwas loswerden kann. Bei vielen Campingplätzen weißt du noch nicht einmal, ob die schon offen haben.

Bei einigen ist in der Rezeption Licht an und du vermutest, daß jemand zuhause ist. Auf anderen ist tote Hose und es scheinen dort nur Dauercamper ihren Wagen stehen zu haben. Siehe Oslo, wo der Ekeberg Campingplatz, auf den ich fahren wollte, erst im Juni aufmacht. Ist klar, im Mai ist ja auch überhaupt noch kein Mensch unterwegs.

Komisch nur, daß ich bei Kap Lindesnes heute 8 WoMos gesehen habe und zahlreiche andere, auch norwegische, in den letzten Tagen. Und trotzdem fängt die Saison hier so spät an. Ist jetzt nicht so als könne man sagen "Also von unseren norwegischen Landsleuten sind noch keine unterwegs und die paar Ausländer.. das lohnt nicht".

Es sind schon genügend Norweger unterwegs. Oder die fahren die WoMos einfach nur hin und her. Das weiß ich nicht. Franzosen, Spanier, Portugiesen, Schweden, Deutsche sind hier auf den Straßen zu sehen. Und wir haben ja nun schon mehr als Mitte Mai. Aber sagt auch keiner "Komm, laß mal unser Land aufschließen!". Bis hier alles mal wirklich aus dem Quark kommt ist man schon recht weit im Sommer drin. Und soo lang geht die Saison dann auch nicht, bzw. kann man sie sich auch kurz machen, wenn man will.

Auf dem Rückweg vom Leuchtturm wird es noch nebliger als auf dem Hinweg und am Leuchtturm selbst. Es ist sehr unwirklich. Über die Wälder und die Straße ziehen Nebelwolken. Die Sonne scheint, es ist warm, du stehst an dieser Tankstelle und um dich rum ist Nebel. Schon sehr surreal. Fast wie im Film. Hinten im Auto sind es 19°, vorne hinter der Scheibe 33°. Selbst am Leuchtturm konnte man es im T-Shirt aushalten. Auch nachts war es warm. Ich habe echt gut geschlafen.

Ich merke, wie die Fahrerei langsam auf die Rückenmuskeln geht wenn man hier jede Kurve mit dem Oberkörper ausgleicht. Das ist auch von der Konzentration her anstrengend.



Es ist zu lustig. Da fährt man zur Recyclingstation, hat auf seinem Auto extra Michelin Energy Saver-Reifen drauf und läßt dann die ganze Zeit die Karre laufen während man immer so einen auf umweltfreundlich macht.

Im Supermarkt wird ständig gefragt, ob man eine Tüte haben möchte. Und wenn man das verneint, weil man sich seine 2 Pakete Schokomilch unter den Arm klemmen kann und die Grillwürste auch noch, da wird man fast schon komisch angeschaut. So von wegen "Keine Tüte, was ist der denn für einer?". Ich will ja nicht sagen, daß wir in Deutschland nicht auch Widersprüche haben, aber ich finde es schon interessant, zu sehen, daß es in anderen Ländern auch manchmal nicht zusammenpaßt.



Ich habe Grillwürste gekauft. Wenn ich einen solchen Platz wie gestern heute nochmal finden sollte bemühe ich den Einweggrill. Der Platz gestern war genial.



Polizeiwagen vor UFO-Fahrschule Es ist furchtbar, überall wird gebaut. Ständig Baustellen, ständig runter auf 50 Km/h. Und selbst wenn 5 Kilometer lang nirgendwo wirklich gebaut wird, sondern nur schon die Absperrungen gemacht wurden, Tempo 50. Das nervt.

Wenn da Arbeiter sind habe ich vollstes Verständnis dafür, aber wenn es noch keine Baustelle gibt...

Und die Fahrweise nervt. Ich habe gesehen, daß es in Norwegen Fahrschulen gibt. Man glaubt es nicht, jedoch es ist so. Aber vielleicht erklären sie auch nur die Regeln wie es theoretisch sein müßte. Nicht, wie man praktisch fährt.

Und die Polizei bekommt neue Farben. Ist ja auch klar, inzwischen sehen die Baufahrzeuge mehr aus wie Polizei als die Polizei selbst. Skanska-Fahrzeuge haben neon-pinke und blaue Flächen auf weiß am Auto und ich denke jedesmal, daß das ein Polizeiwagen ist.



Obwohl die meisten Dinge durchaus schmecken bin ich noch kein Fan der norwegischen Lebensmittel geworden und ich habe das Gefühl, daß es in Schweden ein reichhaltigeres Sortiment gibt. Ich finde zum Beispiel keine Remoulade. In Schweden habe ich mir dänische Remoulade gekauft.

Und eine Abteilung für warmes Essen, das man sich selbst herausnehmen kann gibt es hier auch nicht. Und alles ist hinter dem Tresen. Du mußt immer warten, bis dich jemand bedient. Und wenn du dir mal so ein Scheibe vom warmen Braten anschaust, dann fragst du dich wie lange das Stück hier eigentlich schon liegt.



Lillesand hatte ich ganz anders in Erinnerung. Okay, es war fürchterlich neblig, vielleicht deshalb. Man konnte kaum etwas sehen. Aber irgendwie habe ich auch so nichts wiedererkannt. Und nochmal müßte ich da auch nicht hinfahren.

In Kristiansand bin ich ungefähr eine Stunde durch die Straßen mit den weißen Holzhäusern spaziert. Kronprinsens gate, Gyldenløves gate, Holbergs gate, usw. Das war ganz schön, das noch einmal zu sehen. Auch unten am Wasser das Neubauviertel. Wenn die Parkuhr mir noch etwas Zeit gelassen hätte wäre ich noch etwas länger geblieben. Aber auch hier würde ich bei der nächsten Tour nicht unbedingt ein weiteres Mal vorbeischauen.



Im Moment kommen zwei Dinge zusammen. Zum einen muß ich ein kleines bißchen Druck machen was mein Vorwärtskommen angeht, um am Ende ein wenig Luft zu haben damit ich in Schweden noch was machen kann. Und zum anderen mein Knie. Welches ich jetzt nicht so übermäßig belasten möchte indem ich kilometerweise durch die Gegend latsche. Das muß für Oslo noch ein bißchen was aushalten.



Ich weiß ja, daß es in Norwegen anders ist als bei uns, aber hier fährt man mit 90 und hat die LKW im Nacken. Als hätten die die Sicherung an ihrem Geschwindigkeitsbegrenzer rausgezogen. Du hast ständig LKW hinter dir, die Druck machen, obwohl du selbst am Tempolimit bist. Es nervt.



Ich sitze in Arendal am Kai, schön in der Sonne. Dieses kleine "Hafenbecken" heißt Pollen. Und hier legt man ganz normal mit seinem Boot an, geht in die Stadt, macht seine Besorgung, legt wieder ab und fährt weg. Ganz so wie bei uns mit dem Auto. Finde ich gut.



Arendal, Blick auf Hisøy So, ich hocke in meinem Mobil am Wasser in Arendal, wo ich auch schon einmal war und was ich auch ein wenig anders in Erinnerung hatte. Aber ich sitze jetzt hinter dem Lenkrad, habe meine Duftkerze an, die vor sich hinbrennt, kucke aufs Wasser und die Häuser gegenüber auf den Inseln. Es ist ein schönes Bild.

Es ist jetzt 22:24. Es ist immer noch hell. Etwas schummerig vielleicht, aber nicht wirklich dunkel.

Und heute gab´s meine ersten Kochkünste mit dem Gaskocher. Würstchen zu grillen scheiterte, unter anderem weil ich keine Alugrillschale hatte.

Ich besaß mal solche Grillschalen, die ich dann jahrelang mit mir rumschleppte und die ich direkt vor dem Urlaub weggeworfen habe "weil ich die ja eh nicht brauchen würde". Aber ich hatte noch die Fiskekake. Diese weißen Teile aus Fisch und Kartoffelstärke und was weiß ich. Die wollte ich auf dem Campingkocher warm machen.

Also stiefelte ich los ins Zentrum, um in einem Supermarkt solche Schälchen zu kaufen. Die wollte ich auf den Gaskocher stellen und die Fiskekake heiß machen. Nur fand ich in keinem Laden soetwas. Also kaufte ich Alufolie.

Am Auto angekommen bastelte ich aus der Alufolie kleine Schälchen. Mit dem Erfolg, daß ich keinen Erfolg hatte. Das funktionierte so nicht. Aber ich hatte mit dem Kocher auch keine Erfahrung. Vor 10 Jahren habe ich damit in Schweden mal lauwarmes Wasser erzeugt und dann löslichen Kaffee hineingetan. Das war alles andere als lecker. Seit dem war der Kocher zwar immer mit dabei, aber wurde nie genutzt. Bis jetzt.

Ich hatte noch eine emaillierte Metallschüssel dabei. Die setzte ich auf den Kocher und versuchte, die Fiskekake zu braten. Die hatte ich vorher auf der Alufolie drauf. Es zwirbelte und knusperte, aber wenn man sie dann von der Folie nahm waren sie außen etwas angebrutzelt und innen drin trotzdem noch kalt.

Also gab ich sie in die Schüssel, habe sie kleiner geschnitten, gab etwas Wasser hinzu und erwärmte die Fiskekake auf diese Weise. Und damit wurden sie schön warm. Zum ersten mal aß ich sie nicht kalt. Das funktionierte ganz gut.

Dazu gab es noch verschiedene Saucen. Zum Beispiel eine Taco-Sauce, die ich entweder mit Würstchen oder den Fiskekake essen konnte oder zur Not zu Kartoffelchips.

Grillen war an diesem Platz nicht wirklich drin. Man sitzt quasi auf dem Präsentierteller. Ein Parkplatz, bei dem viele an deinem Auto vorbei gehen. Auf dem Anwohner bestimmt auch gerne parken würden. Da bin ich nicht abgebrüht für, mit dem Einweggrill vorm Auto zu sitzen während alle Nase lang jemand an dir vorbei geht. Oder gar den großen Grill rausholen.

Gestern in Flekkefjord wäre das gegangen. Zumindest mit dem Einweggrill. Immerhin weiß ich, daß ich mit dem Gaskocher was anstellen kann. Gaskochern. Ich habe noch einen zweiten dabei. Und zur Not kann man sich mal eine Dose Ravioli machen. Wenn ich wieder zuhause bin werde ich mir noch Kochgeschirr kaufen.


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