Do, 22.5.2014 • Tag 21: Oslo  ➟  Halden


Der gestrige Abend wird umso wertvoller, als daß es draußen gerade ziemlich stark regnet. Ich würde jetzt noch einen Augenblick abwarten und wenn es in 2 Stunden immer noch regnet dann fahre ich los. Ich habe gestern einen tollen Abend gehabt und viel gesehen. Dann bin ich heute eben nicht in der Stadt.



Die Straßenbahn in Oslo. Muß man wirklich ziemlich aufpassen, daß man nicht irgendwo in die Schienen gerät, wo man nachher nicht mehr rauskommt wenn die von hinten angefahren kommen. Die biegen auch ab wenn du grün hast und haben anscheinend totales Vorfahrtsrecht.

Dann wuseln ständig irgendwelche Busse rum. Und es pißt an allen Ecken von oben auf dich herab. Von Brücken, von Häusern oder irgendwas. Es ist überall feucht und Pfützen. Ganz komisch.

Als erstes bin ich heute Morgen bißchen anders gefahren als gestern zum Schloß. Von da aus zum Vigelandsparken. Weiter nach Grüner Løkka, wo ich dann feststellte, daß ich dort auch schon einmal gewesen bin. Und ich fand es dort jetzt nicht soo toll.

Ich mag diese gehypten Szeneviertel nicht, die früher mal runtergerockte Arbeiterviertel waren. Ich mag in Hamburg auch die Schanze nicht. Wer´s braucht, okay, aber ich muß es nicht haben.

Dann bin ich nochmal weiter nach Grønland. Also, nicht geschwommen, sondern mit dem Fahrrad. Das ist ein Stadtteil, da muß sich der Zugereiste nicht umstellen, wenn er hierherkommt. Er kann so weiterleben wie in der alten Heimat und tut das auch. Wer solche Stadtteile mag, der kann da gerne hin.

Als nächstes führt mich der Weg nach Gamle Oslo, dort nochmal ein bißchen umgesehen und dann geht´s auch langsam Richtung Auto.

Es ist inzwischen wirklich brüllend warm. Ich habe schon meine 2 0,5l-Flaschen Wasser geleert. Mehr habe ich nicht dabei. Ich bin klatschnaß. Man hat hier immer das Gefühl, es würde ständig bergauf gehen, selbst wenn es bergab geht. Es ist sehr anstrengend.



Der Rückweg hatte es in sich. Es ging wirklich nur bergauf. Teilweise bis zu 90 Grad, wenn nicht mehr. Kleiner Scherz. Das sind dann 2 Kilometer, auf denen man das nicht gerade leichte Fahrrad permanent berghoch schiebt. Und sich selbst auch noch, der ich nicht gerade ein Leichtgewicht bin.

Und das bei ziemlicher Hitze. Und heute Nacht bin ich den Weg ja auch schon zurückgekommen. Deshalb war es heute vielleicht doppelt so anstrengend. Und gut, daß meine Bremsen funktionieren, da man ja den Weg auch hinunter muß. Jetzt gibt es ein Käffchen zur Stärkung und dann geht es weiter.



Eben kommt ein deutsches Wohnmobil mit NOH-Kennzeichen und will auf den Ekeberg Campingplatz und wird an der Einfahrtsschranke erstmal belehrt, daß der Campingplatz noch nicht geöffnet hat. Es ist schwer zu glauben, daß der beinahe in der Innenstadt liegende Campingplatz Oslos nach Mitte Mai noch nicht geöffnet hat und erst im Juni aufmacht. Aber darüber habe ich mich ja schon im Vorfeld schlau gemacht, ob der offen ist oder eben nicht. Was er nicht war und ich mir etwas anderes habe einfallen lassen müssen. In Norwegen muß man im Mai damit rechnen.



Höhepunkt und Tiefpunkt liegen manchmal so eng beieinander. Höhepunkt war auf jeden Fall heute Oslo. Mit bombig geilem Wetter, mit paar netten Zielen, die ich gemacht habe. Und dem Tiefpunkt, daß ich wahrscheinlich die Kamera irgendwo habe liegen lassen. Es sei denn ich finde sie irgendwo noch hinten im Auto. Was ich aber nicht glaube.

Ich bin deshalb vorhin nochmal zum Vigelandsparken gefahren weil ich der Meinung war, daß ich dort das letzte Mal mit der Kamera Fotos gemacht habe. Und deshalb lag der Verdacht nahe, daß ich sie dort habe liegen lassen. Es wurde aber nichts abgegeben.

Und an den zwei möglichen Stellen, wo ich gesessen habe, fand sich natürlich auch nichts mehr. Von daher gehe ich davon aus, daß sie dann irgendjemand mitgenommen hat und jetzt im Besitz meiner Fotos ist. Ein Glück, daß ich zwischendurch immer auf den Laptop gesichert habe. Ich war bloß gestern Abend zu faul oder besser gesagt zu müde, als ich um 2:00 ins Bett gegangen war, die Bilder zu sichern. Weshalb ich ab Bergen keine Bilder mehr habe.Sternchen

Was mich gerade ein wenig anpißt. Natürlich auch der materielle Verlust der Kamera. Da bin ich wieder 500€ los, wenn ich mir die nachkaufen würde. Ich habe noch das Teleobjektiv dazu und so schlecht war sie nicht. Und Apps, die ich dafür gekauft habe.

Im Vigelandspark traf ich dann einen Mann, der mir den Tip gab, zum Café zu gehen und zu fragen, ob da etwas abgegeben wurde. Wurde es nicht. Und die Frau da am Tresen meinte, wenn sie eine Nummer von mir hätte, dann könne man mich anrufen, falls die Kamera abgegeben würde.

Aber ich dachte mir, wenn innerhalb von 4 oder mehr Stunden niemand die Kamera abgibt, dann wird er oder sie es auch nicht in den nächsten Tagen tun. So lange hält sich niemand da auf, bis er dann eine gefundene Kamera abgibt. Jetzt freut sich einfach jemand über eine fast neue Kamera. Das ist also der Tiefpunkt der Tour.

Danach bin ich dann nach Fredrikstad gefahren. Zum Gamle Byen, wo ich schon ein paar mal war. Nur habe ich ehrlich gesagt keinen Bock mehr, auf Häuser zu kucken. Nicht in dieser Hitze. Nicht mit dieser Laune. Und nicht noch, daß ich etwas fotografieren wollte. Das ginge nur noch mit dem iPhone.

Außerdem hat man die Zufahrtstraße aufgerissen. Da kann man nirgendwo stehen. Gleiches in Gamle Byen selbst. Auch hier Pflaster aufgerissen und neu pflastern und Umleitungen. Wie üblich in Norwegen wird dann ja gleich alles gesperrt. Wenn man baut, dann auch richtig. Weshalb mir dort nicht viele Parkmöglichkeiten blieben. Da sehr viele Parkplätze für Anwohner waren. Immerhin leben hier die Leute ganz normal. Es ist zwar ein Stadtteil, der aussieht wie ein Freilichtmuseum, aber im Gegensatz zu Gamla Linköping, wo abends der Souvenierladen abgeschlossen wird und alle gehen in ihr richtiges Zuhause, leben die Menschen hier ganz regulär.

Jetzt versuche ich mein Glück in Halden und bin damit fast an der Grenze zu Schweden. Ich will einfach nur irgendwo stehen, vielleicht am Wasser, meinen Grill anwerfen oder meinen Kocher hier im Auto. Und noch was essen und den Tag vergehen lassen. Ich bin unglaublich schlecht gelaunt gerade. Ich bin nicht überfallen worden, die Kamera ist mir nicht geklaut worden, wenn, dann war ich so doof und habe sie irgendwo liegen lassen. Da kann niemand etwas dafür und ich kann keinem Menschen außer mir selbst die Schuld dafür geben. Nicht mal den Asiaten im Vigelandsparken, die mich nervten und vor denen ich von der Bank geflüchtet bin.

Vielleicht frißt mich das grad so ein bißchen an. Ansonsten geht es mir gut, meine Knochen haben gehalten. Muß ich die Kamera halt verschmerzen. Ist finanziell nur Scheiße. Und es ärgert mich halt, daß die Bilder verloren gegangen sind und ich sie heute Nacht nicht noch gesichert habe.



Sternchen Das erklärt, weshalb ich nicht mehr all zu viele Bilder zeigen kann. Die Bilder ab Bergen stammen aus dem iPhone.


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